CSD Bremen 2017 – absolut irre

Zwei Autoren – eine Geschichte. Günter und ich haben unabhängig unsere Eindrücke zum CSD in Bremen aufgeschrieben. Ich (Norbert) habe mir erlaubt die Texte zu mischen. Die kursiven Texte sind von Günter.

 

 

Es ist noch kein Jahr her, da begann die Planung durch eine kleine Gruppe, um für Bremen den CSD wieder in Bremen auferstehen zu lassen. Ganz bescheiden hatten sie angefangen und bei den Ämtern 500 Menschen für die Demo angemeldet. Als ich davon hörte, dachte ich im letzten Jahr: „Oh, mein Gott, wenn das mal gut geht.“ Jetzt nachdem der CSD gelaufen ist kann ich nur sagen: „Nicht nur gut, sondern es war absolut irre was am 26.08.2017 in Bremen passiert ist.“ Liebes Orga-Team, ihr wart spitzenmäßig. Ich habe Bremen noch nie so fröhlich erlebt.

Unseren Bollerwagen hatten wir schon eine Woche zuvor zurecht gebaut. An dem großen Tag fehlten nur noch die Banner und die Luftballons, damit wir als Gruppe zu erkennen sein würden. Rechtzeitig machten Helmut und ich uns mit dem fertigen Bollerwagen auf den Weg. Alles in die Straßenbahn zu hieven war schon schwierig. Doch dafür wurden wir gleich belohnt als wir die ersten Lesben und Schwulen in der Bahn sahen und herzlich begrüßten. Beim Ausstieg hatten wir dann Hilfe genug.

 

Ein kurzer Spaziergang und schon waren wir in der Friedrich-Rauers-Straße / Ecke Breitenweg, da wo der Sammelpunkt für die Trucks war. Und wir kleine Gruppe mitten drin *grins*. Zuerst wurden von uns alle Trucks bestaunt. Ganz hinten kam dann zum Ende der große Truck vom Daimler. Hier konnten wir ein weiters Gruppenmitglied begrüßen, der bei Daimler arbeitet und deshalb mit auf dem Truck fuhr. Es gab hier auf dem Sammelplatz noch viele andere bekannte Gesichter, die wir begrüßen konnten. Bald hatten wir acht, von unserer Gruppe, auch unseren Platz gefunden: Hinter dem Truck vom „Rat und Tat“ und vor dem Truck der Lesben.

 

 

Das war gestern nicht nur der erste Bremer CSD nach 23 Jahren, sondern auch mein erster CSD, an dem ich nicht nur, wie sonst, anonym als Zuschauer, sondern aktiv in aller Prominenz teilnahm. Norbert und Helmut hatten einen Bollerwagen mit vielen bunten Luftballons und einem Schild unserer Gruppe gebastelt und unsere einheitlichen weißen mit unserem Logo bedruckten T-Shirts rundeten das Bild einer sehr homogenen fröhlichen Truppe sehr wirkungsvoll ab. Und das, obwohl wir anfangs nur eine relativ kleine Mannschaft, bestehend aus Norbert, Helmut, Frank, Heino und Norbert, Frank, Holger und Christian waren. Aber als wir uns dann in Bewegung gesetzt hatten, gesellte sich noch Ingo und Uwe dazu und zwischendurch – besonders wenn der Zug mal zum Stehen kam – wurden wir noch von einigen Männern aus der Ammerländer Truppe mit lautem Hallo begrüßt. 


Kurz nach 13 Uhr setze sich der Demonstrationszug in Bewegung. Das war für mich mal wieder ein bewegendes Gefühl. Nach dem Demo-Banner kamen die Motorräder mit den Dykes on Bikes gefolgt von Schwulen und Lesben der Bremer Polizei mit einem Transporter auf dem ein großer Regenbogen zu sehen war. Sven Rottenberg, der Kontakt-Polizist für die Schwulen und Lesben war auch dabei. Die Samba-Gruppe „Queersalinga“ machte mit ordentlichen Trommelwirbel auf sich Aufmerksam. Ein Truck mit dem Banner „Trans/Inter-Sichtbarkeit“ war als nächstes sichtbar. Die Trans/Inter-Sexuellen mögen mir an dieser Stelle verzeihen, dass ich sie nicht immer extra benenne. Die Abkürzung „LGBTI“ finde ich unpersönlich und alles ausgeschrieben ist es mir einfach zu lang.

So ging es immer weiter. Außer AfD und CDU waren viele Parteien dabei, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Auch verschiedene Gruppen aus Oldenburg waren zugegen, um uns zu unterstützen. Insgesamt über 30 Gruppen inkl. der Trucks waren im Demonstrationszug vertreten.

 

Der Zug setzte sich kurz nach 13 Uhr recht pünktlich vom Sammelplatz am Breitenweg in Bewegung und erreichte kurz nach 15 Uhr über die Bürgermeister-Smidt-Straße, über den Wall rechts um die Stadtbibliothek in Richtung Marktplatz, der Obernstraße und die Martinistraße den Veranstaltungsendpunkt am Martini-Anleger. Dort war eine große Bühne aufgebaut – nur leider waren die viel zu wenigen Lautsprecher zu leise eingestellt und erreichten nur den sehr kleinen Kreis der Zuhörer in unmittelbarer Nähe. Offensichtlich hatten die Veranstalter nicht mit einer so großen Beteiligung gerechnet. Für die geschätzten 5.500 Teilnehmer war die Örtlichkeit am Martini-Anleger viel zu klein. Es war zeitweilig überhaupt kein Durchkommen.

 

Und waren wir als kleine Gruppe erst verloren zwischen zwei LKWs eingekeilt so bekamen wir bald sehr viel Zulauf. Die LKWs zogen sich immer weiter auseinander, immer mehr Fußvolk gesellte sich dazu. So wälzte sich der Zug langsam auf den Wall zu. Schon dort konnte man nicht mehr den Anfang noch das Ende der Demonstration sehen. Und mit der Zeit wurden es immer mehr Menschen, die mitliefen.

 

Viele waren mit den Regenbogenfarben geschmückt oder hatten sich entsprechend ihres Geschmacks bzw. ihrer Neigungen angezogen. Ein Meer an Farben und Fröhlichkeit zog durch Bremen und viele der Zuschauer wurden von dieser schier unglaublichen Fröhlichkeit angesteckt.

 

 

Am Wegesrand sahen wir auch viele Gesichter, die wir schon lange nicht mehr gesehen hatten und solche, die wir öfter sehen. Da hieß es immer wieder fröhlich winken. 

 

Nach über zwei Stunden kamen wir zu unserem Ziel: Dem Martinianleger. Leider war hier alles zu eng und die Leute auf der Bühne waren kaum zu verstehen.

 


Die Organisation des Demonstrationszuges klappte hervorragend. Ein großes Lob den Organisatoren und den vielen freundlichen Helfern. Der Zug bestand aus etwas über 30 Positionen und setzte sich aus vielen Fußgruppen, mehreren offenen Fahrzeugen und gut besetzten Trucks zusammen, die alle Teilnehmer und Zuschauer mit lauter, fröhlicher Musik beschallten, so dass die Fußgruppen – so auch wir – mehr tänzelten als einen genordeten Schritt befolgten. Die Fröhlichkeit steckte auch die vielen Zuschauer an den Straßenrändern an. Mir ist nicht ein kopfschüttelnder oder auf andere Weise Abneigung zeigender Mensch aufgefallen.  Unter den Trucks fiel besonders der sehr große von Daimler auf mit einer großen einheitlich bekleideten Truppe. Auch die Bremer Polizei war mit schwulen Teilnehmern beteiligt sowie das „Rat und Tat“, u.a. mit Queeren Refugees. Unsere Gruppe lief zwischen dem Truck der „Lesbischen Sichtbarkeit“ und dem des „Rat und Tat“, so dass wir bestens mit fröhlicher Musik versorgt und angespornt wurden. Auch die Oldenburger Freunde waren u.a. mit der Männerfabrik vertreten sowie das „Queere Ostfriesland“ – letztere sogar mit einem eigenen Truck und einer großen, wie üblich grün „uniformierten“ großen fröhlichen Teilnehmerzahl.

Um alles zu verstehen, muss man selber mit der Demonstration mitlaufen – auch wenn man dann die Demo nicht sehen kann. Man kann nicht alles haben. Es war aber für uns ein unvergesslicher Tag. Als wir abends wieder zu Hause waren, hatten wir „runde“ Füße und waren froh endlich sitzen zu können. Um noch zu einer der Abschluss-Partys zu gehen waren wir einfach zu kaputt. Dennoch wollten wir den Tag noch nett ausklingen lassen und sind somit noch im Rendezvous gelandet. Hier trafen wir noch einige nette Leute, unter anderem eine gute Bekannte, die auch beim CSD mitgelaufen ist. Sie war noch so voller Eindrücke und Gefühle, dass sie erst einmal alles loswerden musste. Wir konnten sie verstehen.

 

Dem Zug schlossen sich immer mehr Menschen an – so wurde auch unsere Gruppe recht fröhlich aufgemischt. Natürlich durften auch einige Drag Queens nicht fehlen, sowie sehr viele Teilnehmer mit sehr phantasievollen Kostümen und auffälligen Körperbemalungen. Das hervorragende und endlich einmal warme Wetter ließ auch spärliche Bekleidung zu. Für den Zug war die unerwartete große Beteiligung eine schöne Bestätigung für die Organisatoren – über einen geeigneteren Veranstaltungsplatz für den Endpunkt des Zuges muss sicherlich noch nachgedacht werden.

 

An das Orga-Team kann ich nur sagen: „Das habt ihr super gemacht. Großes Lob.“ Wir freuen uns auf den 25.08.2018, wenn es in Bremen heißt: Es ist CSD.

 

Meine Bedenken mich nun ganz öffentlich zu meinem Schwul-Sein zu bekennen, wurden schnell durch die allgemeine fröhliche, ja oftmals sogar ausgelassene Stimmung aller Teilnehmer und zu großem Teil auch der Zuschauer zerstreut. Ich wagte mich sogar – wenn auch anfänglich mit Hemmungen – mit dem T-Shirt unserer Gruppe, dessen Logo ja sehr eindeutig auf den schwulen Träger verwies – in die Straßenbahn.

 

Ein Wermutstropfen war unsere Bremische Regierung, die zwar am Rathaus die Werder-Fahne hissen kann, aber nicht unsere Regenbogen-Fahne. Da kann ich nur sagen: „Pfui.“

 

Für mich persönlich war der Tag ein weiterer großer Meilenstein auf dem bisher so steinigen Weg meines Coming-Outs. Ich bin dankbar.

 

 

Norbert + Günter

 

 

Erstellt im August 2017


CSD Hamburg 2017 – größer, bunter, vielfältiger

CSD Hamburg 2017 – größer, bunter, vielfältiger

 

 

Der erste Samstag im August: CSD in Hamburg. Da Helmut und ich Zeit hatten, war es für uns selbstverständlich dort hinzufahren. Da wir in Hamburg frühstücken wollten, hieß es für uns rechtzeitig aufzustehen. Das Auto musste zuhause bleiben – wir wollten den Tag möglichst stressfrei verbringen. Also ab in die Straßenbahn zum Bahnhof, um dann mit dem Zug nach Hamburg zu fahren.

In Hamburg angekommen, suchten wir sogleich eine Bäckerei in der Langen Reihe auf, die eine große Regenbogen im Schaufenster aufgehängt hatte und die auch Frühstück und Kaffee anbot. Nach der Stärkung schlenderten wir weiter über die Lange Reihe. Beim „Café Uhrlaub“ sahen wir sie sofort: Einige der „Schwulen Väter Hamburg“, alle einheitlich gekleidet in ihren roten T-Shirts. Freunde aus Frankfurt waren auch dabei. Da war die Freude groß, gleich so viele von uns wiederzusehen. Kurz darauf trafen wir noch andere Bremer. Und dann tippte uns jemand von hinten an: Es war Günter aus unserer Gruppe, der uns gesehen hatte. Da war auf beiden Seiten die Freude groß. Drei weitere liebe Gruppenmitglieder fanden auch noch zu uns. Da gab es natürlich viel zu erzählen. 

 

Die Zeit verging sehr schnell. Um 12:00 Uhr, als die Demo starten sollte, war die Lange Reihe links und rechts bereits voll mit Menschen gesäumt. Offiziell sollen es 150.000 Zuschauer gewesen sein. Leider verspätete sich der Beginn der C(hristoher-)S(treet-)D(ay)-Parade um eine halbe Stunde. Doch dann hörte man vom Ende der Langen Reihe lauten Jubel: Der Startschuss war gefallen, der Zug setzte sich in Bewegung. Schnell hatten uns die Lesben auf ihren schweren Bikes mit lautem Getöse erreicht, gefolgt von dem obligatorischen Luftballon-Regenbogen. Danach ging es Schlag auf Schlag. Große und kleine Fußgruppen lösten sich mit den riesigen Trucks – oft doppelstöckig – ab. Rund 15.000 Menschen und rund 30 Trucks sind am Sonnabend in der Parade zum CSD durch die Hamburger Innenstadt gezogen.

Ein vielfältiges Programm zog vor unseren Augen an uns vorbei. Besonders berührt haben uns die kleine Gruppe von queeren Flüchtlingen sowie eine Gruppe von queeren Muslimen. Wir ziehen unseren Hut vor deren Mut. Besonders viel Applaus bekam eine große Gruppe von lesbischen Polizistinnen und schwulen Polizisten. Doch bei diesem Applaus ging es sicher nicht um die Öffentlichkeit in der CSD-Parade sondern in erster Linie um ihren Einsatz in Hamburg während des G20-Gipfels und den damit verbundenen Krawallen.

 

Ganz am Ende kam noch ein riesiger Truck von Daimler, die durch viele Städte auf den CSD-Demos touren. So auch bald in Bremen am 26.08.2017.

 

Länger als sonst dauerte der CSD-Umzug: Ganze zwei Stunden lang. Da war man schon von den vielen Eindrücken fix und fertig. Helmut und ich mussten uns erst einmal mit Kaffee und Kuchen ausruhen. Danach ging es weiter zur Mönckebergstraße. Hier konnte man sich die Demo ein weiteres Mal ansehen. Das haben wir dann auch gemacht. Jetzt war der Zug noch länger. Allerhand „Fußvolk“ hatte sich der Parade angeschlossen.

 

Es war bereits 16:30 Uhr als wir uns auf den Weg zum Ballindamm und Jungfernstieg an der Binnenalster machten. Hier waren wie immer die Info- und Verkaufsstände zum CSD sowie die Bühnen mit heißen Rhythmen. Der Nachteil: Es war so voll, dass viele der Besucher schon gestresst waren. Eine Panik hätte nicht aufkommen dürfen. Wir waren froh, dass wir es nach einer halben Stunde wieder geschafft hatten aus dem umzäunten Gedrängel herauszukommen. Das ist aber das einzige Manko an diesem CSD. Schade, dass die Stadt das nicht besser organisieren kann. Dennoch: Es war ein toller Tag in Hamburg und wenn wir können, dann sind wir 2018 wieder dabei.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im August 2018


Mein Besuch des CSDs in Barcelona am 09.07.2017

Während einer einwöchentlichen Reise in den wunderschönen Badeort Sitges mit seinen vielen tollen schwulen Restaurants und Clubs – natürlich mit ebenso vielen schönen schwulen Männern  habe ich am 8. Juli mit der S-Bahn einen Abstecher zum CSD nach Barcelona gemacht. 

 

Die Aufstellung des bunten vielfältigen Zuges begann ab 16 Uhr am Placa d` Espanya und setzte sich kurz nach 17 Uhr langsam über die Avinguda del Paral-lel bis zur Moll de las Fusta in Bewegung. Das Ziel lag am imposanten alten Hafen, in dem heute ein imposanter Yachthafen dominiert in der Nähe des bekannten Placa Portal de la Pau am seewärtigen Ende der großartigen Prachtalle Rambles mit seiner großartigen klassizistischen Mittelmeer-Architektur. 

Ich konnte schlecht schätzen, wie lang der Zug war, aber das Ziel wurde erst nach 20 Uhr erreicht, wo dann eine große Kundgebung stattfand. Diese habe ich aus zeitlichen Gründen leider nicht mehr verfolgen können. Von der Großartigkeit des Zuges war ich jedoch sehr eingenommen und begeistert. Der Zug bestand überwiegend aus großen Themenwagen mit wenigen Fußgruppen – aber die überlauten südländischen Rhythmen auf den Wagen mit seinen tanzenden Menschen strahlten eine überschäumende und ansteckende Fröhlichkeit aus, die von den vielen Zuschauern geteilt wurde und zum Mittanzen animierte. Auch ich tat ein solches in eine Regenbogen-Fahne gehüllt und mit einem großen Strohhut vor der sengenden Sonne geschützt.

  

Die fröhlichen Menschen auf den Wagen waren auf den überwiegend spärlich bekleideten Körpern bunt, zumeist in den Regenbogenfarben bemalt. Es wurden Bonbons in die tanzenden und mitsingenden Zuschauer geworfen und aus Wasserpistolen um sich gespritzt.

In einer der Fußgruppen, natürlich von Trommlern und Tänzern begleitet fielen mir zwei gut gewachsene Männer auf, die „oben ohne“ und „unten“ in ihrer völligen von Gott geschaffenen Blöße nur die bemalte Andeutung eines knappen sexy Höschens „trugen“. Natürlich wurden diese mutigen Kerle kräftig beklatscht.

 

Irgendwann habe auch ich mich in den Zug eingeordnet und bin einige Kilometer mit den fröhlichen Gruppen mitmarschiert.

 

Explizite übergreifende Themen sind mir nicht aufgefallen – es ging eigentlich mehr um die Darstellung von sexueller Vielfalt und Gleichberechtigung.  Es ist ja hinlänglich bekannt, dass in Spanien schon lange die gleichgeschlechtliche Ehe gesetzlich verankert ist und Händchen haltende Männer, ja sogar der öffentliche Austausch eines Kusses, wird in der Öffentlichkeit nach meiner Beobachtung gar nicht mehr beachtet, auch nicht außerhalb des CSD Zuges.

 

Es war ein großartiges, buntes, fröhliches Erlebnis, dessen ansteckende mediterrane Fröhlichkeit in mir immer noch nachwirkt.

 

 

Günter

 

 

Erstellt im Juli 2017


Party der Toleranz – die 10. Veranstaltung

Letztes Jahr konnten wir nicht an der „Party der Toleranz“ teilnehmen. Somit war die 10. Veranstaltung des Stammtisches „SchwuLes Ammerland“ unser fünfte, die wir, Helmut und ich mitfeierten. Besser sollte man sagen mittanzten. Wir waren, soweit es unsere verschwitzten Körper zu ließen, ständig auf der Tanzfläche.

Da diese Party schon ab 20:00 Uhr beginnt, konnten wir locker kurz nach 19:00 Uhr losfahren. Von Bremen braucht man schon eine Stunde Fahrzeit bis nach Torsholt. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Nicht nur, dass hier im Garten des Gasthauses Dierks der Magen mit leckerem Gegrilltem und hausgemachten Salaten verwöhnt wurde, man wurde am Eingang auch gleich mit einer großen Tombola empfangen. Jedes Los ein Gewinn, garantiert. Wie immer wieder trafen wir auch gleich zu Beginn „alte“ Bekannte.

 

Im Eingangsbereich des Saales schwebte schon Conchita Wurst alias Dirk übers Parkett. Der Saal füllte sich schon zusehends. Ebenso war wie üblich die Aids-Hilfe Oldenburg anwesend. Wie gut, dass diese ehrenamtlichen Helfer unterwegs sind, denn Aufklärung ist immer noch nötig.

 

Nachdem wir uns draußen gestärkt hatten, mussten wir uns erst einmal einen Platz an den Tischen ergattern. Wir fanden einen von dem man den ganzen Saal überblicken konnte. Kurze Zeit später kam auch schon „Conchita“, um die Party zu eröffnen. Nach ein paar Danksagungen an die vielen Helfer, die so eine Veranstaltung erst ermöglichen, gab sie noch zwei ihrer Hits zum Besten.

 

 

Und dann ging die Post ab. Die DJane Steffi und der DJ Markus waren ein tolles Team und arbeiteten Hand in Hand. Die Hits waren gut ausgewählt. Für jeden Geschmack war etwas dabei. Die Tanzfläche war von Anfang an voll und das sollte sich bis zum Schluss auch nicht ändern. Gute Stimmung und schweißnasse T-Shirts waren somit vorprogrammiert. Großes Lob auch an die Technik der DJs. Die Lautsprecher waren so ausgerichtet, dass nur die Tanzfläche beschallt wurde und an den Tischen rechts und links konnte man sich noch gut unterhalten. 

Ich hoffe, dass die zwei DJs nächstes Jahr wieder gebucht werden können, wenn es am 2. Samstag im Juli wieder heißt: „Party der Toleranz im Ammerland“.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Juli 2017


Episoden

Wenn man plötzlich nicht mehr weiß, was Richtig oder Falsch zu sein scheint, weder weiß, wo Oben oder Unten ist und sich nur noch Zweifel breitmachen.

 

Auch ich bin ein verheirateter Familienvater, der erst recht spät aber nicht zu spät zu seinem schwulen Leben gefunden hat. Der ganze Übergang von einem Leben zu einem anderen hat zunächst mit viel Schmerz stattgefunden. Ich habe in der Zeit, in der ich mich neu gefunden habe, mit sehr viel Unsicherheit, Ungewissheit oder gar Orientierungslosigkeit zu kämpfen gehabt. Dies lag wohl insbesondere daran, dass mein Leben bis zu diesem Zeitpunkt recht zielstrebig und planvoll verlaufen ist. Doch plötzlich schien nichts mehr so zu sein, wie es einmal war. Hier gilt mein Dank der Gruppe ANS ANDERE UFER ?!, die mir gezeigt hat, dass ich als schwuler Vater nicht allein bin und schon gar nicht ein vollkommener Exot mit einer tollen Frau und zwei Kindern, auf die ich stolz sein kann. Mein besonderer Dank gilt Norbert, der, obgleich ich sicherlich ein nicht ganz einfacher Fall war, fast nie die Geduld verloren hat. Fast nie nur deshalb, weil er mir irgendwann unumstößliche „Hausaufgaben“ aufgegeben hat. Obwohl mir die Hausaufgaben größer vorkamen als der Mount Everest, waren sie im Nachhinein betrachtet doch weit aus kleiner. DANKE.

 

Im Folgenden wird vereinfachend der Begriff „Heten“ verwendet. Damit sind Menschen gemeint, die ein heterosexuell orientiertes Leben führen. Ich bitte die Verwendung des Begriffes keines Wegs als abwertend oder dergleichen zu verstehen.

 

Wiederholendes Outen oder Fragen der Heten, die ihnen eine gewisse Peinlichkeit nicht ersparen.

 

Heute habe ich einen Freund mit dem ich inzwischen fast zwei Jahre zusammen bin. Ich bin sein erster Freund, der eine Frau, zwei Kinder und einen großen Freundeskreis bestehend aus lauter Heten hat. Es hat sich in der Zeit die wir zusammen sind gezeigt, dass das was für mich sehr einfach erschien, sich für ihn als die eine oder andere Herausforderung darstellte. Diesen Herausforderungen hat er sich – auch wenn ich glaube, dass es ihm nicht immer leichtgefallen ist – immer gestellt, was meine Liebe zu ihm hat noch inniger werden lassen.

 

Der Geburtstag

 

Neulich waren wir zum 50. Geburtstag einer meiner Hetenfreunde eingeladen. Da ich die Größenordnung dieser Feier schon ahnte (Familie, Nachbarn, Freunde, …), es waren letztlich rund 80 Gäste (ich bin nahezu bei allen bekannt), dachte ich mir, dass es wohl fair sei meinen Freund vor zu warnen. Seine Reaktion fiel erwartungsgemäß aus: „Hmm, 78 Heten und ein schwules Paar“. Da wir mal wieder zeitlich etwas knapp dran waren, waren natürlich schon sehr viele Gäste anwesend. Von meinen Freunden, richtiger wäre wohl eher unseren Freunden, sind wir wie immer sehr herzlich begrüßt worden.

 

Im Laufe des Abends passierte es. Mein Freund unterhielt sich mit einem Nachbarn des Gastgebers, der immer sehr viel zu erzählen weiß. Es ist manchmal schon echt verblüffend; es gibt doch tatsächlich Menschen, die noch mehr reden können als ich. Im Laufe der Unterhaltung fragte der Nachbar meinen Freund, wo er denn herkäme. Antwort: „Aus Bremen.“ Nachfrage des Nachbarn: „Und wie stehst Du mit dem Gastgeber in Verbindung?“ Antwort: „Ich bin mit Holger hier.“ Ungläubige weitere Nachfrage: „Mit Holger?“ Da ich gerade zufällig neben meinen Freund saß, legte mein Freund seine Hand auf meinen Oberschenkel und antwortete: „Mit meinem Freund Holger.“ Dieses Mal kam vom Nachbarn strenggenommen keine Frage, sondern: „Aber Holger ist doch verheiratet!“ Als mein Freund darauf mit einem schlichten „ja“ antwortete konnte man merken, wie es in dem Nachbarn arbeitete, weil sich selbst bei ihm eine gewisse Sprachlosigkeit breitgemacht hatte. Letztlich war es ein sehr schöner Abend. Mein Freund und der Nachbar haben sich, nach einer kurzen Pause um frische Getränke vom Tresen zu holen, noch sehr lange über alles Mögliche unterhalten.

 

Der Abi-Ball

 

An einem drauf folgenden Wochenende waren wir in einem sehr großen Restaurant in festlicher Abendgarderobe zum Abi-Ball meiner Tochter. Bevor das Büfett eröffnet wurde ging eine Fotografin von Tisch zu Tisch und machte Fotos. Als sie an unseren Tisch kam passierte es wieder. Zunächst fotografierte sie die uns gegenübersitzenden und sagte: „Ich weiß ja nicht wer hier familienmäßig oder so zusammengehört, …“ Meinem Freund und mir saß mein Sohn mit seiner Freundin gegenüber. Die beiden rückten etwas zusammen, nahmen sich in den Arm und die Fotografin knipste drauf los. Seitenwechsel; nun waren wir an der Reihe. Wir rückten die Stühle etwas zusammen, nahmen uns in den Arm, die Fotografin guckte durchs Objektiv und frage plötzlich: „Soll ich Sie so fotografieren?“ Wir waren beide im Anzug mit Hemd und Krawatte sowie geputzten Schuhen erschienen und konnten daher nur erahnen, was die Fotografin zu dieser Frage bewog und antworteten: „Ja.“ Darauf wieder die Fotografin: „Ich mach das wirklich!“ Und wir: „JA!“ Die Fotos sind recht gut geworden.

 

Das Grillfest

 

Neulich beim Grillfest. Mein Freund und ich waren zum Grillen eingeladen. Eigentlich kennt mein Freund dort nur den Gastgeber und wenige weitere Gäste, die im letzten Jahr auch dabei waren. Auf dem Grillfest waren sehr viel junge Eltern. Ich war es mit so vielen kleinen Kindern gar nicht mehr gewohnt. Als wir so mit den ganzen Leckereien auf dem Teller mit den anderen Gästen am Tisch saßen und mein Freund vom Erlebnis auf dem Abi-Ball erzählten wollte, passierte es wieder. Mein Freund begann zu erzählen: „Wir waren neulich auf einem Abi-Ball.“ Der Tischnachbar unterbrach mit der Frage: „Ach, hast du schon so große Kinder, dass die ihr Abitur gemacht haben?“ Mein Freund: „Nein, das sind seine.“ und machte eine Kopfbewegung in meine Richtung, so das deutlich wurde, wessen Kinder ihr Abitur gemacht haben. Daraufhin der Tischnachbar: „Ach so, dann warst Du der Lehrer oder bist der Onkel.“ Mein Freund: „Weder noch, das hier ist mein Freund und es ist seine Tochter, die das Abitur gemacht hat.“ Dieses Mal folgte kein Schweigen des Tischnachbarn, sondern gleich eine ganze Armada an weiteren Fragen.

 

 

Mein Freund und ich nehmen diese Besonderheiten unseres Lebens mit Humor, aber auch ein wenig mit Spannung auf das Gesicht des Anderen, wenn ihm so langsam was dämmert oder ein Licht aufgeht.

 

Soweit mal ein kleiner Einblick in die Besonderheiten des Lebens eines schwulen Vaters in einem ereignisreichen Monat Juni 2017

 

 

Holger

 

 

Erstellt im Juni 2017


CSD Nordwest in Oldenburg

Samstag, den 17. Juni 2017 . . . er geht recht pünktlich los . . . der CSD Nordwest in Oldenburg.

Ein paar Männer reißen den provisorischen Sichtschutz ab, nehmen die Stützen bei Seite, der Bürgermeister von Oldenburg ist schon an der Front und im gleichen Moment fängt die erste Gruppe an loszugehen . . . in Gelb und Schwarz kostümiert, dicht dahinter musiziert schon eine Bläsergruppe.

 

. . . der Demonstrations-Zug ist eröffnet!

 

Eine bunte Schar freundlicher Menschen laufen da schon hinterher.

 

Der erste Wagen rollt heran: Der Truck vom „Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung“ mit orangefarbenen Luftballons und vielen Regenbogenflaggen dekoriert. Schon von Beginn an habe ich das Gefühl es laufen mehr Leute mit als im Vorjahr, wobei der Zug während des Rundlaufs noch mehr Passanten zum Mitlaufen aufnimmt. War schon immer so, wie ich auch in Jahren zuvor feststellen konnte.

 

Es folgten lange Tandemräder, die Gruppe von Amnesty International, Wagen des Heidekönigs mit seinem Adjutanten, die Westersteder Stammtisch-Gruppe „Schwules Ammerland“, Hostessen von „Merkel-Air“ usw. Ich zähle nicht alle auf, keine Panik!

 

Die Straßen wurden gesäumt von vielen Zuschauern von Anfang bis Ende des Demo-Zuges.

 

 

Ich habe etliche Leute getroffen und viele Bilder gemacht.

Angekommen auf dem Schlossplatz gab es auch ein großes „Hallo“ an den Ständen, einige Darbietungen auf der großen Bühne, natürlich waren auch die Schwestern der perpetuellen Indulgenz (immerwährende Freude) mit auf den Brettern und eine Gruppe von junge Refugees und Migrant*innen die über Ihre Situation berichteten. Leider gab es wohl am späteren Abend ausgerechnet für diese Gruppe unschöne Übergriffe und Pöbeleien . . . ich war zu diesem Zeitpunkt schon wieder in Bremen.

 

Alles in Allem aber doch eine tolle Veranstaltung, eine Demonstration die gut auf uns und unsere Anliegen aufmerksam machte . . .

 

 

Helmut

 

 

Erstellt im Juni 2017


ANS ANDRE UFER ?! – Danke

Im Herbst 2003 war ich das erste Mal bei der Selbsthilfegruppe „Schwule Väter Bremen“. Ich hatte Glück, denn ich war nicht alleine. Mit mir war mein heutiger Lebenspartner Helmut dabei. Das ist bis auf wenige Ausnahmen bis heute so geblieben. Das galt auch nach den vielen Veränderungen der Gruppe bis hin zur Gruppenbildung ANS ANDERE UFER ?! Vielen Dank für die lange Zeit, die wir durch dick und dünn gegangen sind und ich hoffe, dass es noch lange so bleibt.

 

Viele Männer, die Hilfe brauchten, haben wir in dieser Zeit kennen gelernt. Manche haben wir nur einmal gesehen, andere sind seit langem dabei. So ist das eben in einer Selbsthilfegruppe. Einige wären sicher noch gerne bei uns, aber der berufliche und private Werdegang zwingt machen Mann zum Umzug. Trotzdem gibt es zu vielen dieser Männer bis heute hin Kontakt und wenn es nur der unregelmäßige Newsletter ist, wenn es etwas Neues auf unserer Homepage gibt 😊.

 

Wenn man so wie wir schon so lange dabei ist, dann kommen einem doch hin und wieder Zweifel, ob das Ganze in der heutigen Zeit überhaupt noch Sinn macht. Man kann doch fast alles im Internett nachlesen. Doch immer wieder finden Männer den Weg zu der Gruppe, ob jünger oder älter, die das Gespräch mit anderen Betroffenen suchen. Und diese Gespräche kann keine Homepage ersetzen.

 

 

Umso schöner ist es dann, wenn einem die Zweifel kommen, dass zur rechten Zeit eine schöne E-Mail auf dem Laptop erscheint. Die letzte möchte ich euch nicht vorenthalten, da sie auch an die Gruppe gerichtet ist:

Hallo liebe Gruppe der schwulen Väter – Bremen

(Anmerkung: jetzt ANS ANDERE UFER ?!),

 

 

ich wollte mich mal aus dem fernen Berlin bei Euch melden. Auch ich muss und möchte mich bei Dir, Norbert und den regelmäßigen Teilnehmern der Gruppenabende für den für mich sehr hilfreichen Austausch der Erfahren ganz herzlich bedanken.

Ich bin im vergangenen November aus beruflichen Gründen ganz nach Berlin und zu meinem neuen Lebenspartner, den ich vor 2 Jahren in Berlin kenngelernt habe, in die kleine aber gemütliche Wohnung gezogen. Zurzeit lösen wir gerade meine Wohnung in Oyten auf.

 

Die wenigen Male, die ich an den Treffen teilnahm, waren für mich eine willkommene Unterstützung. Gerade am Anfang (2015). Auch wenn anfangs die Zweifel für ein Comingout groß waren, haben mich eure Erfahrungen, der Austausch mit Holger und die Gruppengespräche bestärkt, diesen Schritt zu gehen.

 

Du, Norbert hattest damals sofort den Kontakt mit mir aufgenommen um deine Hilfe bzw. Gesprächszeit anzubieten.

Ich habe es bis heute nicht bereut. Sicherlich überkommen einen manchmal die Gedanken . . . was wäre, wenn ich nicht . . . Gott sei Dank hat sich aber alles positiv entwickelt und es ist ein freundschaftliches Verhältnis zu meiner zukünftigen Ex-Frau entstanden. Wir beide sind froh, dass wir die lange gemeinsame Zeit hatten (am 07.05. hätten wir unseren 24. Hochzeitstag gefeiert.

 

Ich kann nur jedem empfehlen, sich zu trauen, offen über seine Empfindungen zu reden um dann diesen einen großen Schritt zu gehen UND zu seinem Schwulsein zu stehen.

 

Ich bin dadurch heute wieder einigermaßen ausgeglichen. Habe keine Depressionen mehr. Kann den Alltag wieder erleben und erfreue mich an vielen Kleinigkeiten. Wenn der Partner mir dann ab und an in die Augen schaut und mir sagt, dass er mich liebt, weiß ich, dass ich Dank eurer Unterstützung die richtige Abzweigung auf meinem Lebensweg genommen haben.

 

Danke!!

 

Ich freue mich nach wie vor via Email über Neuigkeiten, Informationen und Aktivitäten aus der Gruppe und hoffe, Ihr behaltet mich im Verteiler.

 

Ich war wieder einmal neidisch auf alle Teilnehmer des Jahrestreffens im Waldschlösschen und hoffe, beim nächsten Treffen auch daran teilnehmen zu können.

 

Viele Grüße vom Bremer nach Bremen

 

GUNNAR

 

 

An dieser Stelle gibt es meinen Dank an Gunnar zurück, denn es sind die einzelnen Mitglieder, die die Gruppe zur Gruppe machen. Jedes Mitglied ist ein Individuum und uns alle eint das späte Coming Out ob nun mit oder ohne Familie. Bedingt durch das gleiche Schicksal gibt es die große Gemeinsamkeit, gibt es das Verstehen untereinander.

 

Dir Gunnar wünsche ich alles Liebe und Gute in Berlin mit der Hoffnung, dich hin und wieder bei uns zu sehen. Du bist in Bremen zu jeder Zeit, wie auch alle anderen, die umziehen mussten, willkommen.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Mai 2017


IDAHOT – die Demo

Mittwoch, der 17.Mai, der internationale Tag gegen Homophobie.

 

 

Das Rat und Tat, Bremen, hat zur Demo gegen Homophobie aufgerufen. Das Treffen wurde am Hauptbahnhof ab 15.00 Uhr festgelegt. Natürlich war ich, wie immer, 5 min. zu spät. Es war kaum einer da, außer den Helfern vom R+T. Nach und nach verirrten sich die ersten Demonstranten. Einige Neugierige kamen näher und es ergaben sich die ersten guten Gespräche.

Luftballons wurden aufgeblasen, der Platz wurde bunter. Ein paar Mitglieder von „Die Partei“ schließen sich der Demo an. Sie haben immerhin Musik dabei. Bis zum Marsch Richtung Bürgerschaft kommt noch eine gute Gruppe zusammen. Wie zu erwarten verlief die Demo frei von Zwischenfällen und Friedlich. Unsere Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt fand ein paar nette Worte. Sie äußerte sich auch zum Thema „Ehe für Alle“ und es kristallisierte sich heraus das wir wohl noch Geduld haben müssen . . . und es war zu hören, dass etwa dreiviertel der Bevölkerung nichts gegen die Ehe für Alle haben . . . 

 

Zuhause angekommen habe ich den Nachmittag Revue passieren lassen.

Wenn nur ein Viertel unserer Bevölkerung gegen diese Ehe ist, wie funktioniert dann unsere Demokratie? Gewinnt nicht die Mehrheit? Haben die mehr zu sagen als der Rest der Republik?

 

Es gibt für Konservativen einen guten alten Spruch: Erst die Ware dann das Geld.

 

Was ich damit sagen will: Wir haben Wahljahr. Wenn unser Anteil an der Bevölkerung bei 10 Prozent liegt sind wir verdammt viele . . . keine Partei kann auf unsere Wahlstimmen verzichten!

 

Erst die Ehe für Alle . . . dann unsere Stimme . . .

 

Und dieses Kreuzchen bedeutet auch bares Geld für die Parteien, die für jede Stimme Geld bekommt, um den Wahlkampf zu finanzieren.

 

Aretha Franklin hatte da einen tollen Song: Think!

 

 

Helmut

 

 

Erstellt im Mai 2017


Waldschlösschen 2017 - 63. Vätertreffen

Bericht über das Schwule Väter Treffen im Waldschlösschen 12. – 14.05.2017

Ich war zum ersten Mal auf diesem Treffen und bin total begeistert. Es waren ca. 80 Männer dort aus ganz Deutschland. Es war wunderschön, auch die beiden Martins aus unserer Bremer Gruppe im Waldschlösschen wieder zu sehen. Mich hat besonders die große Empathie und Offenheit bewegt, mit der die Männer einander gegenübergetreten sind. Durch die be-eindruckende Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der persönlichen Biographien habe ich viele Anregungen für mein persön-liches Anliegen erhalten.  In den verschiedenen Gesprächsarbeitsgruppen, an denen ich teilnahm, fasste ich auch sofort ein großes Vertrauen, mich ganz offen über meine persönliche Situation zu äußern, auf die die verschiedenen Teilnehmer in liebevoller Zuneigung eingegangen sind, so dass ich mit Fug und Recht sagen kann, dass mir geholfen wurde und ich jetzt entsprechende Weichen für mein weiteres persönliches Verhalten in meinem gesellschaftlichen Umfeld stellen kann.

Schon bei meiner Ankunft schlug mir von den verschiedenen Teilnehmern eine große Herzlichkeit entgegen. Obwohl sich die meisten bereits kannten, hatte ich nicht im Geringsten das Gefühl als Newcomer nicht dazu zu gehören.  Als sehr hilfreich erwies sich, dass jeder Erstbesucher einen Paten an die Seite gestellt bekam, der die Örtlichkeiten zeigte und in die verschiedenen Modalitäten wie Getränkeentnahme, Einzelheiten über die Bezahlungen etc.  etc. einwies. Auch während des gesamten Seminarverlaufes war mein Pate immer präsent, für den Fall, dass ich ein Problem – auch ganz persönlicher Art – haben sollte und auch von sich aus erkundigte er sich immer, wie es mir ginge und wie ich zurechtkäme. Ein großes Dankeschön für diesen speziellen „Service“.

Das gesamte Seminar wurde von der Schwulen Vätergruppe aus Stuttgart hervorragend geleitet.
Deren Engagement beschränkte sich nicht nur auf die Leitung jedes einzelnen der in 3 Tagen angebotenen 21 Gesprächs-Arbeitsgruppen. Es wurde darüber hinaus auch noch ein hervorragendes kulturelles Programm geboten.

Auch der anschließende Film „Latter days“, bei dem es im Wesentlichen um die schwierige Situation eines schwulen Mormonen ging, ging richtig „unter die Haut“.
Das absolute Highlight jedoch war der Partyabend am Samstag, der unter dem Motto „Spektakel im schwulen Bierzelt“ stand. Das ca. einstündige Show Programm war von hoher Qualität – im Wesentlichen tanzten und sangen – natürlich Playback – verschiedene Drag-Queens und heizten uns kräftig ein. Der „Darsteller“ Michael jedoch „schoss den Vogel ab“. Seine Aufmachung mit eleganter Perücke und richtigen Modellkleidern und extrem hohen High Heels war absolut perfekt. Man konnte ihn wirklich nicht von einem „echten“ weiblichen Modell unterscheiden, ganz besonders deshalb, weil er als Mann „von Natur“ aus schon extrem gut aussieht mit langen, schlanken, wohlgeformten Beinen! Seinen schönen männlichen Bart musste er für die Verkleidung opfern – wie schade!


Um dem saarländischen Motto gerecht zu werden, wurde natürlich zu verschiedenen Darbietungen kräftig und ausgiebig mitgesungen und geschunkelt und bei der anschließenden Disco wurde sicherlich manches Bier zu viel getrunken. Es gab Bier vom Fass!

Beim Schlussplenum wurden die Akteure aus Schwaben kräftig gelobt – eine Steigerung durch eine andere Schwule Väter Gruppe kann ich mir nicht vorstellen. Auch das Haus – Ausstattung, Sauberkeit, Zimmer und Verpflegung – wurde einhellig gelobt.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit vielen neu gewonnenen schwulen Freunden bei den nächsten Schwule Väter Treffen im Waldschlösschen.


Günter

Erstellt im Mai 2017 inkl. der Fotos 


Zahlen und Fakten

Es sind hier nur Statistiken zu lesen, ohne jede Wertung. Gedanken dazu kann sich jeder selber machen. Ganz taufrisch sind die Zahlen zwar nicht, dennoch wird sich nicht viel geändert haben, zumindest nicht zum Positiven. In erster Linie sollten sie uns nachdenklich machen.

 

Hier werden die Ergebnisse von unterschiedlichen Studien zu

 

…Einstellungen in der Bevölkerung

…Einstellungen unter Jugendlichen

…Erfahrungen von Lesben und Schwulen

…Gewalterfahrungen von bisexuellen und schwulen Jugendlichen und Männern

…Erfahrungen von bisexuellen und schwulen Schülern

…Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz

…Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen von Trans*Menschen

 

 

vorgestellt.

 

...Einstellungen in der Bevölkerung

 

In einer repräsentativen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurden die Einstellungen in der Bevölkerung zu den sechs Diskriminierungsmerkmalen abgefragt. Zu Homosexualität gab es gleichermaßen ablehnende wie „wohlwollende“ Aussagen:

 

Einstellungen zu Homosexualität: ablehnende Aussagen

  • 61 % der Befragten stimmen der Aussage zu „Mit dem Thema Homosexualität möchte ich möglichst wenig in Berührung kommen“
  • 46 % der Befragten bejahen die Aussage „Wenn zwei Homosexuelle sich in aller Öffentlichkeit küssen, fühle ich mich provoziert“
  • 67 % der Befragten finden „Homosexuelle brauchen keinen besonderen gesetzlichen Schutz“

Einstellungen zu Homosexualität: wohlwollende Aussagen

  •  54 % der Befragten finden „Schwule oder lesbische Paare mit Kindern sollten als ganz normale Familien anerkannt werden“
  • 52 % der Befragten stimmen der Aussage zu „Ich bin für die Gleichberechtigung homosexueller Lebensweisen in unserer Gesellschaft“
  • 54 % der Befragten sind der Meinung „Wenn man nicht gerade ein Prominenter ist, ist es schwer sich zu seiner Homosexualität zu bekennen“

 

…Einstellungen unter Jugendlichen

 

In einer Umfrage von iconKids & youth wurden 1998 und 2002 die Einstellungen von Jugendlichen zu Lesben und Schwulen abgefragt.

Die Ergebnisse: 

  •  71 % der Jungen und 51 % der Mädchen finden Lesben und Schwule überhaupt nicht gut.  
  • Im Jahr 1998 waren es noch 41% der Jungen und 28 % der Mädchen.
  • Insgesamt: 61 % der Jugendlichen finden Lesben und Schwule überhaupt nicht gut, gegenüber 34,5 % in 1998.

 

…Erfahrungen von Lesben und Schwulen

 

In einer Befragung der Landeshauptstadt München aus dem Jahr 2003 wurden Lesben und Schwule gleichermaßen zu Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen befragt: 

  • ca. 60% der Lesben und Schwulen haben Beschimpfungen erlebt.
  •  40% der Lesben und Schwulen waren psychischem Druck, Bedrohung und Einschüchterung ausgesetzt
  • 12 % der Lesben und 21% der Schwulen waren körperlicher Gewalt ausgesetzt
  • 15% der Lesben und Schwulen hatten negative Erfahrungen mit Kolleg_innen und 21% mit Arbeitgebern, wenn die  Homosexualität bekannt wurde
  • 21 % der Lesben und 14% der Schwulen haben sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt
  • 35% der Lesben und Schwulen wurden in den Familien benachteiligt oder abgelehnt

 

…Gewalterfahrungen von bisexuellen und schwulen Jugendlichen und Männern

 

Eine Onlinebefragung des schwulen Anti-Gewaltprojektes Maneo 2006/ 2007 unter knapp 24.000 bisexuellen und schwulen Jugendlichen und Männern ergab, dass 

  • 35% der Befragten in den letzten 12 Monaten Gewalterfahrungen gemacht hatten
  • 63% der jungen Schwulen und bisexuellen Männern unter 18 Jahren in den letzten 12  Monaten Gewalterfahrungen gemacht hatten
  • 77% der Erfahrungen bei Mehrfachnennung den Bereich Beleidigung, Nötigung und Bedrohung betrafen
  • 15% den Bereich körperliche Angriffe, 6 % davon mit Verletzungsfolgen betrafen
  • knapp 90 % der Opfer keine Anzeige erstattet hatten

 

…Erfahrungen von bisexuellen und schwulen Schülern

 

Im Rahmen der zweiten Onlinebefragung von Maneo wurden die Erfahrungen von bisexuellen und schwulen Schülern ausgewertet.


Die Studie kommt zu dem Schluss, dass schwule und bisexuelle Jugendliche und hier insbesondere Schüler allgemeinbildender Schulen in deutlich höherem Maße von Diskriminierung und Gewalt betroffen sind als der Durchschnitt der Befragten:
 

  • 17% der befragten bisexuellen und schwulen Schüler hatten in den letzten 12 Monaten körperliche und 43 % psychische und verbale Übergriffe erlebt.
  • Insgesamt lag der Anteil der Schüler mit Gewalterfahrungen bei 61 % im Vergleich zu 51 % bei den Nicht-Schülern bis 25 Jahre (41 % alle Befragten).
  • 33% der Gewalterfahrungen fanden in der Schule, 27 % auf der Straße statt.
  • 2% der Täter (bei den Schülern) hatte einen rechtsradikalen Hintergrund, 70 % waren deutscher Herkunft.

Deutlich sind die häufig fehlenden Reaktionen in der Schule: 

  • nur in 28 % der Schulen wurde Spott etc. unterbunden,
  • 47% der Befragten konnte auf Unterstützung durch Lehrer_innen, 46 % auf die von Mitschüler_innen zählen.
  • 57% der befragten Schüler kommen deshalb zu dem Schluss, dass es besser ist, sich nicht an der Schule zu outen!

 

...Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz

 

In der Online-Studie „Out im Office“ wurden 673 Lesben und 1575 Schwule aus Deutschland zu ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz befragt.

Ergebnisse: 

  • 52% der Befragten gehen am Arbeitsplatz verschlossen mit ihrer sexuellen Identität um
  • Weniger als ein Viertel der Befragten hat keine Diskriminierungserfahrungen gemacht
  • 10% der Befragten sind als hoch diskriminiert zu bezeichnen
  • es gibt nur geringfügige Unterschiede in den Erfahrungen von Lesben und Schwulen

 

...Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen von Trans*Menschen

 

Im Deutschland gibt es bisher keine Studien zu Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen von Trans*Menschen.


Eine umfangreiche Expertise der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wertet alle internationalen Studien zu Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen von Trans*Menschen aus.

Die Landeskoordination der Anti-Gewalt-Arbeit in NRW hat eine Problembeschreibung in Auftrag gegeben, bei der ebenfalls internationale Studien ausgewertet werden.

Im Ergebnis ist davon auszugehen, dass Trans*Menschen in erheblichem Ausmaß von Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit, in der Nachbarschaft und in der Familie betroffen sind.


 

Norbert

 

 

Erstellt im Mai 2017


Depressionen und Schwule in der Bundesliga

Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati unternahm im November 2011 einen Selbstmordversuch.

 

Der DFB schweigt damals wie heute dazu. So sagte Babak Rafati jetzt in einem Interview mit der Schweizer Zeitung Blick: "Sie lassen immer verlauten, für mich stehe die Türe immer offen. Aber soll ich etwa den Kontakt suchen? Das wäre etwa so, wie wenn die Vergewaltigte sich beim Vergewaltiger melden müsste. Es muss doch umgekehrt sein, wenn jemand Reue zeigen will."

 

 

Der ehemalige Schiri hatte sich am 19. November 2011 vor dem Spiel 1. FC Köln gegen Mainz 05 die Pulsadern aufgeschnitten. Heute hilft er nach eigenen Angaben drei Bundesliga-Profis als Mental-Trainer. "Depressionen sind immer noch ein großes Tabu im Fußball", behauptet er.

Doch nicht nur zu diesem Thema schweigen der DFB und die Bundesliga. In dem Interview gab der Schiri noch Weiteres von sich: "Ja, ich kenne schwule Fußballer und Schiedsrichter in der Bundesliga, es gibt in jeder Mannschaft drei bis vier Spieler.“ Und er beklagte ein Versteckspiel: "Und viele müssen sich mit einer Frau hinsetzen, Küsschen hier, Küsschen da – dabei haben sie gar keine Lust auf die Dame."

 

Doch outen könne sich ein homosexueller Profi nur, wenn die großen Stars mit dem DFB vorangehen würden. "Wenn sich zwei pro Verein und drei aus der Nationalmannschaft hinstellen würden zusammen auf einer Pressekonferenz, dann käme man mit Wucht." Ein Einzelner könne nicht viel bewirken. "Ich als Schiedsrichter konnte mich mit meiner Krankheit auch nicht outen."

 

Fast jeder Bundesliga-Verein hat einen schwulen Fan-Club – in Bremen sind es die „Green Hotspots“, in dem die Lesben und Schwulen in Eintracht ihrem Verein „Werder Bremen“ anfeuern. Und doch Beim Thema schwule Profi-Fußballer drehen wir uns seit Jahren im Kreis. Da ist auch nach dem Coming-Out vom ehemaligen Profi-Fußballen Thomas Hitzelzperger nichts weiter passiert. Schade, das wäre eine große Chance gewesen.

 

Norbert

 

 

Erstellt im Februar 2017


Menschen kommen und gehen – Nachtrag

Am 10.01.2017 schrieb Martin einen Kommentar im Gästebuch zum Bericht Menschen kommen und gehen (siehe weiter unten):

 

Nochmal eine Anmerkung zum Bericht: Menschen kommen und gehen...ich finde es echt toll, dass sich mal jemand, obwohl er nicht wieder zur Gruppe gekommen ist, gemeldet hat, weil oftmals weiß man gar nicht, warum jemand wegbleibt bzw. nicht wiederkommt. Auch wir sind bestrebt, uns immer wieder zu verbessern, aber wenn man keine Resonanz bekommt, weiß man nicht, ob oder was man falsch macht, ob man hätte etwas anders oder ändern können. Dieser Fall war jetzt positiv, von daher alles gut...

 

 

Kurze Zeit später hat sich alles wieder verändert. Martin zieht in Kürze aus beruflichen Gründen aus seiner Heimat. Am letzten Gruppenabend haben wir Abschied gefeiert. „Gefeiert“ ist das falsche Wort – wir alle waren traurig. Heute, 20.02.2017, schrieb Martin folgendes:

. . . ja . . . ich gehöre jetzt zu den Menschen, die gehen, nachdem ich vor ca. 5 Jahren zur Gruppe gestoßen war. Private und berufliche Gründe haben mich dazu bewegt einen "Neustart" zu machen. Dieser sollte zwar raus aus´m Ort, aber nicht so weit weg sein. Aber . . . der Weg führt mich jetzt 200 km weit weg und somit kann ich auch nicht mehr meine regelmäßigen Besuche zum Gruppenabend machen . . . und diese werde ich sehr vermissen.

 

Mein Coming-Out war schwierig bzw. wie soll ich sagen, sehr "zähfließend", aber es ist geschafft und all die Jahre war die Gruppe oder einzelne aus der Gruppe für mich da.

 

Ich habe Freunde für´s Leben ins dieser Gruppe gefunden, wo ich es sehr bedauere, dass ich diese auf Dauer nicht mehr so regelmäßig treffen kann, aber an bestimmten Terminen, wie z.B. Kohlgang, Gaynight zum Bremer Freimarkt und diverse andere Dinge, die an Wochenenden stattfinden, werde ich weiterhin zum Anlass nehmen, nach Bremen zu kommen.

 

Die Gruppe hat mir bei meinem Coming-Out zur Seite gestanden. Als ich dann die Trennung von meiner Frau vollzogen hatte und es mir zusehends besser ging, brauchte ich diese Gruppe nicht mehr als Selbsthilfegruppe, was aber für mich nicht hieß, diese zu verlassen, sondern ab da konnte ich meine Erfahrungen weitergeben. Denn auch davon lebt so eine Gruppe . . . dass "alte Hasen" bleiben und Hilfe geben oder einfach für die Neuen da sind.

 

Ich möchte dieser . . . meiner Gruppe ganz herzlich für all die Jahre danken, dass sie immer für mich da war und kann nur jedem empfehlen, Rat in der Gruppe zu suchen. Wenn es dann nicht passt, ist es ja auch o.k., aber die meisten profitieren von der Dynamik der Gruppe, und wenn es nur ein Ort ist, wo man für wenige Stunden der sein kann, der man(n) eigentlich ist oder sein möchte.

 

Danke...

 

Martin

 

 

Lieber Martin wir danken dir, dass du uns all‘ die Jahre die Treue gehalten hast. Wir waren immer froh, wenn du bei uns warst. Deine Fragen und Antworten für die Neuen werden wir vermissen wie auch dich als Person. Wir wünschen dir, dass du dich gut in deiner neuen Heimat wohl fühlst. Vielleicht besuchst du dort die ansässige schwule Vätergruppe, um deine Erfahrungen weiter zu geben und um neue Freunde zu finden. Und wann immer du den Weg nach Bremen findest, dann bist du herzlich willkommen. Alles Gute für dich.

 

Norbert

 

Erstellt im Februar 2017

 

 


Bremens Wunderwelten – Schöner Tag heute

Zum 32. Mal: Europas größter Samba-Karneval in Bremen

 

 

Als Helmut und ich vor 12 Uhr zum Bremer Marktplatz kamen, war dieser bereits bis hin zu den Domtreppen übervoll mit erwartungsvollen Menschen und mittendrin die vielen Sambagruppen in ihren bunten Kostümen. 

Vom Moderator wurden alle Gruppen begrüßt, nicht nur Gruppen aus Deutschland waren dabei, sondern auch aus Polen, Großbritannien und den Niederlanden. Ebenso waren innerhalb der Gruppen Menschen aus vielen Nationen, auch aus Afghanistan und Syrien. Von weitem konnte ich persönlich einen Afghanen ausmachen, der in einer Gruppe mitmachte. Das ist für mich gelebte Integration. Das ist mein Bremen.

 

 

Wie immer wurde zu dem jährlichen Karnevals-Thema eine halbstündige Geschichte erzählt, begleitet von tausenden Trommeln. Das diesjährige Thema „Wunderwelten“ wurde von der Schreiberin Katharina Witte selber vorgelesen. Dabei ging es in der Geschichte um 13 Türen zu einem bestimmten Wunder. Es gab Türen zur Umwelt, zur Zeit, zur AfD und Pegida (diese wurde umgehend wieder geschlossen), zur Liebe usw. Die 13. Tür zu öffnen war verboten. Trotzdem wurde diese verbotener Weise aufgeschlossen und dahinter verbarg sich . . . der FRIEDEN. Das alles passte zur heutigen Zeit.

Nach einer halben Stunde war das bunte Treiben auf dem Marktplatz vorbei und die einzelnen Gruppen zogen mit ihren Samba-Trommeln Richtung Viertel. Wir wollten raus aus der großen Menschenmenge und wollten uns ein ruhigeres Plätzchen zum Anschauen des Umzuges suchen. Auf den Weg dorthin trafen wir noch zwei Jugendliche aus Afghanistan, die ich noch von der Flüchtlingsbetreuung kannte. Einer sagte mir in einem guten Deutsch: „Schöner Tag heute.“

 

In der Nähe des Amtsgerichts fanden wir unseren Stehplatz. Wir mussten wohl gut durchgekommen sein, denn wir warteten noch einmal eine halbe Stunde lang ehe wir die erste Samba-Gruppe (aus Köln) sahen. Und dann wurde es Gruppe um Gruppe laut und bunt. An uns zogen schillernde Insekten, kraftvoll trommelnde Männergruppen, Samba tanzende Frauen, trommelnde Karten und vieles mehr vorbei. Wir bekamen fröhliche Menschen zu sehen: In den Gruppen und am Straßenrand. Zwei Stunden dauerte es bis die letzte Gruppe an uns vorbei trommelte.

 

Und was ist mit den Schwulen und Lesben? Es hat sie bestimmt gegeben. Auch das Café Kweer hatte ab 13:00 Uhr geöffnet. Wir haben bewusst innerhalb der 40.000 Zuschauer keine Schwulen gesehen. Zwar gab es regenbogenfarbige Trommeln in einer der Gruppen und eine Gruppe war komplett regenbogenmäßig gekleidet, doch der Regenbogen steht auch für Frieden. Dennoch fühlten wir uns in diesem bunten Treiben gut aufgehoben und auch wir konnten anschließend sagen: „Schöner Tag heute.“

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Februar 2017


Menschen kommen und gehen

Manche Gruppenmitglieder sind schon viele Jahre in unserer Gruppe ANS ANDERE UFER ?! Einige Männer, die den Weg zu uns finden, sind nur ein oder zwei Mal in der Gruppe, um sich Rat zu holen. Umso mehr freute es mich, dass ich nach einiger Zeit eine E-Mail von einem „Kurz“-Mitglied mit folgendem Text bekam:

Lieber Norbert,

 

ich möchte mal eine kleine Rückmeldung geben, nachdem ich nicht mehr zu den Gruppenabenden gekommen bin. Ich habe nach zwei Abenden gemerkt, dass ich nicht so der Selbsthilfegruppentyp bin und mich in der Gruppe nicht so öffnen kann, wie andere das können.

 

Trotzdem waren der Abend bei Euch zuhause und die beiden Gruppenabende die Initialzündung für alles Wunderbare, was sich danach so ergeben hat. Das alles hat mir schon sehr viel Mut gemacht und mich darin bestärkt, mein Leben in die Hand zu nehmen. Ich habe im Juni einen wunderbaren Mann kennengelernt, mit dem ich sehr glücklich bin und mit dem ich im nächsten Jahr in Bremen zusammenziehen werde. Damit ist für mich ein Traum wahr geworden, den ich Anfang des Jahres noch nicht zu träumen gewagt habe . . .

 

Ich habe es geschafft, mich gegenüber meiner Familie und meinen Freunden zu outen. Das ist eine sehr große Erleichterung für mich, auch wenn es mit der Familie, vor allem mit meinem 17jährigen Sohn, sehr schwierig war. Ich bin jetzt aber zuversichtlich, dass alles gut wird. Bei den Freunden hatte ich bis jetzt nur positive Reaktionen.

 

Ich möchte mich nochmal bei Dir bedanken, für die Ermutigung und die guten Ratschläge.

 

Viele Grüße . . . 

  

Mir ist schon bewusst, dass nicht alle Hilfesuchenden in der Gruppe bleiben können; wir würden aus allen Nähten platzen. Es gibt auch Ratsuchende, für die ist eine Selbsthilfegruppe nicht das Richtige. Manche sehen für sich keinen Sinn mehr in der Gruppe, wenn ihr Coming-Out abgeschlossen ist. Und es gibt Gruppenmitglieder, die einen lieben Partner in einer anderen Stadt gefunden haben und dort hinziehen. Die Gründe für ein Verlassen der Gruppe sind so vielseitig wie die Gruppenmitglieder selbst. Trotzdem werden hier auch Freundschaften geschlossen. Oder man begegnet sich an andren Orten wieder, wie zum Beispiel eine Party, auf dem „Vätertreffen“ im Waldschlösschen oder anderen Orten.

 

Menschen kommen und gehen. Ich freue mich auf jeden Mann, der den Weg zu uns findet. Und es ist schön, wenn man die strahlenden Gesichter sieht, wenn ein Gruppenmitglied sein Coming-Out geschafft hat.

 

Aber auch ich sage „danke“ an all‘ diejenigen, die schon lange in der Gruppe sind und mich bei Arbeit für die Gruppe unterstützen.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Januar 2017


2017 – vorwärtsschauen

Über das vergangene Jahr ist viel geschrieben und in den verschiedenen Medien an Bildern gezeigt worden. Ich weiß nicht, ob das neue Jahr besser wird – vielleicht anders, aber besser? Trotz allem, die Erde dreht sich weiter, als ob nichts gewesen wäre.

 

Bei diesem ganzen Weltgeschehen hat man das Gefühl, dass der Einzelne auf der Strecke bleibt. Oft nehmen wir den einzelnen Menschen gar nicht mehr wahr. Und doch hat ein Jeder von uns sein Päckchen zu tragen, im Guten wie im Bösen. Das Gleiche gilt für die Familie, für Gruppen und Vereine.

 

Schlimm ist, dass es Menschen gibt, die bei den ganzen negativen Nachrichten, noch ihren Nutzen suchen, in dem sie Ängste und Hass schüren. Natürlich ist nicht alles perfekt. Das ist kein Mensch, keine Gruppe, kein Verein. Leider sehen wir kaum noch das Gute in unseren Mitmenschen. Dabei gibt es so viel Gutes zu entdecken – wir müssen nur hinschauen, auch wenn es schwerfällt.

 

Für 2017 wünsche ich mir und euch, dass wir wieder das Individuum sehen, dass wir aufeinander zugehen und zuhören, wenn der Andere etwas sagt. Um die Welt besser werden zu lassen, müssen wir zuerst bei uns anfangen.

 

Oft sind es die kleinen Dinge, die uns Freude bereiten. Ein Kneipenbesuch, um mit Menschen zu reden und zu lachen, ein Essen mit Freunden, eine Feier mit der Familie, einen Urlaub planen, der CSD in Bremen usw. Das ist es, was das Leben lebenswert macht.

 

Das ist es was ich mir für 2017 wünsche.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Januar 2017