Schwule und ihre Mitmenschen islamischen Glaubens

Ich kenne viele Menschen mit islamischem Glauben, Frauen wie Männer. Noch nie gab es Differenzen zwischen uns, obwohl sie wissen, dass ich schwul bin. Ganz im Gegenteil, die Frauen wie auch die Männer umarmen mich ganz selbstverständlich und herzlich. Wir achten und respektieren uns gegenseitig.

 

 

Und dann gibt es den internationalen Islam, vorwiegend in den arabischen Ländern. Wenn wir dort Urlaub machen wollen, dann werden wir geduldet, denn wir bringen Devisen ins Land. Das war es aber auch schon, denn am liebsten würde man uns nicht ins Land lassen. In den meisten muslimischen Ländern erwarten Lesben und Schwulen empfindliche Strafen, wenn sie ihre Homosexualität öffentlich zeigen.

Und nun ist in Brunei ein verschärftes Strafrecht in Kraft getreten, das unter anderem für gleichgeschlechtlichen Sex die Todesstrafe vorsieht, trotz internationaler Proteste. Die Regelung basiert auf der islamischen Scharia Die EU kritisierte die Strafen deutlich und warf Brunei die Verletzung internationaler Verträge zum Schutz von Menschenrechten vor.

 

Brunei steht wegen der neuen Gesetze in der Kritik. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet bezeichnete die Strafen als "grausam und unmenschlich", Deutschland, Frankreich und die USA riefen das Sultanat zur Achtung der Menschenrechte auf.

Einige internationale Prominente fordern den Boykott der neun Luxushotels im Besitz des Sultanats in Großbritannien, Frankreich, Italien und den USA.

Das Sultanat auf der Insel Borneo ist das erste Land in Ost- und Südostasien, das sich mit seinem Strafgesetzbuch am islamischen Recht der Scharia orientiert. Ähnlich halten es bisher bereits einige Nahost-Staaten und Saudi-Arabien. Das Auswärtige Amt riet Reisenden in Brunei angesichts der Strafrechtsverschärfungen zu besonderer Vorsicht. Besucher sollten sich mit den landesspezifischen Gesetzen vertraut zu machen.

 

In einigen Muslimischen Ländern in Afrika und Asien sind die Gesetze für gleichgeschlechtliche Liebe am strengsten. Im Sudan, Iran, Jemen und Saudi-Arabien droht bei sexuellen Handlungen unter Männern die Todesstrafe.

Auch wenn die Akzeptanz in Europa größtenteils vorhanden ist: Die "Ehe für Alle" ist längst nicht in allen Ländern erlaubt. In vielen osteuropäischen Ländern wie Polen, Ungarn oder der Ukraine ist die Ehe in der Verfassung nur als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert.

 

Man muss auch bedenken, dass Lesben und Schwule in Deutschland erst seit 2017 heiraten können – wie jedes heterosexuelle Paar auch. Davor hatten sie die Möglichkeit, eingetragene Lebenspartnerschaften zu schließen. Mit der "Ehe für Alle" sind homosexuelle Paar nun wirklich gleichgestellt, auch was etwa das Adoptionsrecht angeht.

Lange Zeit waren homosexuelle Handlungen unter Männern auch in Deutschland verboten. Der Paragraf 175 im deutsche Strafgesetzbuch, der das regelte, stammte noch aus dem Kaiserreich, wurde von den Nationalsozialisten und auch von der Bundesrepublik übernommen. Erst ab 1969 wurde der Paragraf gelockert – und erst 1994, nach der Wiedervereinigung, wurde er ganz und ersatzlos gestrichen.

 

Wie ich bereits am Anfang erwähnte: Ich mag meine islamischen Mitmenschen. Es wäre nur schön, wenn sie auch gegenüber den Ländern, die Homosexuelle verfolgen, ihre Stimme erheben würden.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im April 2019


Ausgrenzung – Schüler setzten sich damit auseinander

Sehr oft sind auch heutzutage auf dem Schulhof Worte wie „Schwuli“, „Schwuchtel“, „schwule Sau“ zu hören. Das macht jungen Schwulen, die noch ihr Coming-Out vor sich haben ängstlich und unsicher. Da hilft es auch nicht, dass man das mit Cliquen-Bildung oder Pubertät erklärt bzw. abtut.

Umso erfreulicher war es für uns, dass wir im Weser Kurier erfuhren, dass die Theater-AG der Gesamtschule West das Theaterstück „Warum hast du nichts gesagt?“ aufführen wollten, um ein Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen. 

 

Als wir am 20.03.2019 um 19:30 Uhr ankamen, war es noch ganz ruhig im Foyer des Bürgerhauses in Oslebshausen. Zwei Tickets zum erschwinglichen Preis von je drei Euro waren schnell gekauft. Langsam füllte sich das Foyer und bald konnten wir im Saal Platz nehmen.

 

Wir waren gespannt. Im Weser Kurier hatten wir gelesen, dass die Schüler aufgrund der Aktualität ein Statement gegen Rassismus und Homophobie liefern wollten.

 

Geschrieben hatte das Stück Manuela Richter, die als Lehrerin und Theaterpädagogin am evangelischen Gymnasium in Mylau in Sachsen tätig ist und überarbeitet wurde es von Carina Claus, Sozial- und Theaterpädagogin an der Gesamtschule West. Das Thema behandelt die Homosexuellen-Verfolgung im Dritten Reich und das Coming-Out des homosexuellen Jungen Max, der sich outet und mit den darauf folgenden Reaktionen fertig werden muss. Die heftige Reaktion seiner Mutter irritiert ihn dabei am meisten. Er sucht nach Antworten und zusammen mit seiner Schwester reist er weit in die Familiengeschichte zurück, wo er den Grund für das Verhalten der Mutter findet.

 

Es war für uns sehr erfreulich, dass die 14- bis 16-jährigen Schüler_innen sich mit diesem Thema auseinander gesetzt hatten – auch jene in Sachsen. Das macht Hoffnung. Es war auch sicher nicht leicht für zwei der Schüler Hand in Hand über die Bühnen zu gehen und auch ihre Zuneigung füreinander zeigen mussten.

 

Carina Claus erzählte anschließend, dass sich die Schüler_innen ein halbes Jahr mit dem Thema Homosexualität und Ausgrenzung auseinander gesetzt hatten. „Und wenn nur zwei Kinder die Schimpfwörter nicht mehr benutzen, haben wir viel erreicht“, sagte Frau Claus.

 

Ich denke, dass mehr als zwei Kinder von diesem Theaterstück gelernt haben: Die Akteur_innen selbst und sicher auch die Zuschauer_innen im Saal. Persönlich wünsche ich mir, dass wir mehr Erwachsene haben, die jungen Menschen in dieser Richtung den Weg fürs Leben zweigen.

 

 

Norbert

 

Erstellt im März 2019

 


Der verlorene Sohn –

Gefährliche Therapien zur „Heilung“ der Homosexualität

Gestern am späten Nachmittag war für uns Kinotag. Es wurde der US-Spielfilm „Der verlorene Sohn“ gezeigt, der nach wahren Begebenheiten gedreht wurde. Es ging um Reparativtherapie eines 18jährigen Schwulen in den USA. Der Film war sehr bewegend und machte zugleich betroffen und wütend. Wütend deshalb, weil im Namen Gottes seelische Folter als Therapie verkauft wird. Es ging soweit, dass sogar einer der Teilnehmer einen Suizid vollzogen hat. Im realen Leben ist der junge Mann heute glücklich in New York mit seinem Mann verheiratet.

Auch heutzutage werden in Deutschland noch Therapien durchgeführt, die homosexuelle Neigungen "heilen" sollen. Diese Behandlung kann für Homosexuelle schwerwiegende Folgen haben.

 

Schon 2013 wollte die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen Therapien mit Geldbußen ahnden, die die Änderung der sexuellen Orientierung von Minderjährigen zum Ziel hätten, aber ein entsprechendes Gesetz kam in Deutschland nie zustande. Der Bundesgesundheitsminister Jens Span will das nun ändern.

 

Konversions- oder Reparativtherapien haben zum Ziel, meist junge Menschen von ihrer vermeintlich fehlgeleiteten Sexualität zu "heilen". In der Schwulen- und Queerszene gehen Gerüchte um von eiskalten Duschen oder Elektroschocks, die mit Bildern oder Filmen von homosexuellen Praktiken verbunden werden. Ihr Ziel: entsprechende sexuelle Empfindungen mit Schmerz anstelle von Lust verknüpfen.

 

 

Als kürzlich der US-Kinofilm "Der verlorene Sohn" in Berlin vorgestellt wurde, meldete sich anschließend Bastian Melcher zu Wort. Er berichtete von seinen Qualen während einer sogenannten Konversionstherapie. Acht Jahre dauerte seine Behandlung zur Bekämpfung seiner Homosexualität, sagte er. Während dieser Zeit bekam er Ölsalbungen und Dämonenaustreibungen, zudem besuchte er auf Anraten seines Heilers regelmäßig Gottesdienste. Dazu berichtete die taz: Erst ein Besuch beim Christopher Street Day (CSD) beendete seine Angst davor, schwul zu sein. Dabei ist Homosexualität ist weder eine Entwicklungsstörung noch eine Erkrankung. 

Homosexuelle erkranken häufiger psychisch als die Allgemeinbevölkerung – das belegen internationale Studien. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit homo- oder bisexueller Orientierung besteht eine dreifach höhere Suizidrate. Homosexuelle brauchten keine besonderen Therapieangebote, sondern Therapeuten, die einen wertfreien und geschützten Raum bieten.

 

Trotz allem verzeichnete die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im zweiten Quartal 2016 115 Behandlungen dieser Art. Die Zahlen sind relativ konstant und liegen hochgerechnet schätzungsweise bei rund 500 Behandlungen im Jahr.

 

Der Kinofilm und die vermehrte Berichterstattung über diese Heilungs-Therapien haben das Thema in die Öffentlichkeit gerückt. Hoffen wir, dass Jens Span das Gesetz dagegen auf die Reihe bekommt und dass die Anwendung vom Berufsstand der Psychologen und Psychiater geahndet wird.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im März 2019

Norbert

 

 

Erstellt im März 2019


Der Bioschwule

Bei einem Treffen schwuler Väter, wo einige auch mit deren Partnern erschienen sind, stellte sich einer der Teilnehmer, er war vielleicht 60 Jahre alt, mit einem leicht verschmitzten Lächeln, doch erkennbar nicht ohne Stolz, als ‚Bioschwuler‘ unserer kleinen Gesprächsrunde vor.

 

Scheinbar ebenso unwissend wie ich und ein wenig verschämt darüber den Ausdruck noch nie gehört zu haben, fragte jemand in der versammelten Runde, was das denn sei: Bioschwul?

 

 

Naja, er sei ein Bio-Schwuler, eben ein Immer-Schon-Schwuler, wusste schon mit 14/15, dass er schwul ist und hatte bereits mit 16 seine erste schwule Beziehung.

Klar, das unterschied ihn von den anderen in der Runde, die ausnahmslos schwule Väter waren. Er hatte sich noch nie auf eine Frau eingelassen, war schon früh sich seiner Gefühle sicher gewesen, hatte nie eine Familie gegründet. So war er in der Tat in dieser Runde etwas Besonderes.

 


Bioschwul, ein seltsames aber irgendwie auch schönes Wort. Denn ganz ehrlich, ich bin wahnsinnig neidisch auf sie, die Bioschwulen. Wie gerne wäre ich ein Bioschwuler geworden! Wie sehr beneide ich sie um die schon in jungen Jahren gemachten schwulen Erfahrungen und werde ganz wehmütig wenn ich nur daran denke was bei mir alles hätte anders gewesen sein können . . .

 

Neidisch und zugleich auch etwas ärgerlich und verunsichert. Denn ganz offensichtlich grenzt der Begriff sich von mir als Spät-Geouteten ab und berührt mich in der Frage meines Selbstverständnisses, stößt mich auf die Fragen, die ich mir immer ja selber immer wieder stelle: Wieso bin ich kein Bioschwuler geworden? Wieso gehöre ich nicht zu den Früh-Geouteten? Was ist falsch gelaufen in meinem Leben? Wer oder was trägt eine Mitschuld daran? Muss ich mich nicht für mein spätes Schwul-Sein erklären? Doch hat bisher nie je ein Schwuler mich danach gefragt, geschweige denn mein Schwul-Sein in Frage gestellt. Warum auch?

 

Ich selber stelle mir diese Fragen seit meinem Outing vor zwei Jahren und habe lange und oft darüber nachgedacht, rekapituliert und viele Gründe dafür gefunden, warum etwas in dieser und jener Zeit so und nicht anders verlief, habe ein paar Punkte im Leben ausgemacht an denen durch eigene Entscheidungen es anders hätte verlaufen können, habe Entwicklungslinien nachgezeichnet und vieles gefunden das als Erklärung für meine Handlungen herhalten könnte. Aber all das wirkt auf mich eher wie ein Puzzlespiel das lose und zerstreut über den Boden liegt und dessen Teile nicht wirklich zusammenpassen.

 

Heute ist mir klar: es ist keine solche Entwicklung gewesen. Es gab keine Folge von kleinen Ereignissen die unabdingbar letztlich zu meinen Outing haben führen müssen.

Vielmehr war es ein Bruch, oder besser: Es war ein Ausbruch, ein bedingungsloser Ausbruch von tief in mir liegenden Gefühlen die an die Oberfläche drängten. Genau so hat es sich angefühlt, genau so habe ich es erlebt und so ist es folgerichtig auch ein Bruch in meiner Biografie. Der lässt sich nicht glätten, lässt sich nicht beschönigen. Ich bin heute tatsächlich jemand anderes: Ich bin heute mehr 'Ich' als ich es je war. Die Person die ich einmal war, - ich würde heute sagen, die ich einmal dargestellt habe – ist mir fremd, es gibt sie nicht mehr. Und ich bin sehr froh, dass es diesen Bruch gibt. Denn jetzt gibt es mich, den späten Bioschwulen!


P.S.: über die englische Entsprechung des Begriffs heißt es übrigens im urban dictionary:
biogay is someone who is genetically modified to be bisexual

 

 

Frank

 

 

Erstellt im Januar 2019


Einfluss auf den Schutz von LGBTQs im Internet

Folgende Mail habe ich von Emma vom vpnMentor bekommen:

 

Hallo,

ich habe gesehen, dass Sie lsvd.de / hier
www.ans-andere-ufer.de/links/ erwähnt haben, und ich wollte Ihnen meine Dankbarkeit für Ihre Arbeit an LGBTQ-bezogenen Themen ausdrücken.


Es wäre nett, wenn Sie vielleicht auch einen kleinen Leitfaden zum Thema Sicherheit von LGBTQs im Internet veröffentlichen könnten, der kürzlich herausgegeben wurde. Wussten Sie, dass 73% der LGBTQs aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität im Internet angefeindet und schikaniert werden? Der angesprochene Leitfaden soll den Betroffenen dabei helfen, sich gegen diese Anfeindungen zu wehren und sich vor diesen zu schützen.

 

Hier dazu der Link: 

https://de.vpnmentor.com/blog/die-meiste-lgbtqs-sind-opfer-von-cybermobbing-so-bleibst-du-online-sicher/

 

Es werden konkrete Tipps und praktische Anweisungen für alle nur erdenklichen Situationen gegeben.

 

Vielen Dank für Ihren aktiven Beitrag zum Schutz von LGBTQs im Internet

 

Emma

 

 

Der Artikel von vpnMentor gibt viele Informationen über das Verhalten im Internet und wie man sich gegen Cyber-Mobbing wehren kann. Vor allen Dingen kann man sich Vorbeugend schützen. Einfach mal durchlesen.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Januar 2019