Wir lieben das polnische Volk . . .

Schatten und Licht

 

In den letzten Urlauben waren wir gerne in Polen. Abgesehen davon, dass es für Deutsche dort preiswert ist, haben wir in diesem Land nur positive Erfahrungen gemacht. Die Menschen dort sind freundlich und zuvorkommend sowie hilfsbereit. Wir, Helmut und ich, sind, wenn man die Augen offen hat, sicher als schwules Paar zu erkennen – auch, wenn wir nicht Händchen haltend durch die Urlaubsorte schlendern. Umso mehr waren wir schockiert, als es beim ersten CSD dieser fast 300.000 Einwohner zählenden Stadt Bialystok zu Ausschreitungen von Seiten etlicher Gegendemonstranten gekommen ist.

 

 

 

Kurzinfo

 

 

Białystok ist die Hauptstadt und einzige Großstadt der polnischen Woiwodschaft Podlachien. Die Stadt bildet das Zentrum einer weißrussischen Minderheit, besitzt mehrere Hochschulen und ist an den Eisenbahnstrecken von Warschau Richtung Kaunas/Vilnius bedeutendster polnischer Verkehrshalt. Białystok liegt in einer ertragreichen ländlichen Region, hat aber auch Bedeutung im Bereich des Maschinenbaus und der Elektro-, Metall und Bierindustrie. Von Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts existierte hier auch eine zahlenmäßig bedeutsame deutsche Minderheit. 

 

– Wikipedia.

 

Schatten

 

Steine, Böller und Flaschen flogen bei der ersten Gay-Pride-Parade am 20.07.2019 in dieser Stadt. Eine Gruppe von Hooligans hat die ca. 800 bis 1.000 Teilnehmer*innen der Demo an diesem Samstag attackiert. Auch die Einsatzkräfte, die den Umzug absicherten, wurden angegriffen. Daraufhin setzte die Polizei unter anderem Tränengas ein und verhaftete etwa 25 der Randalierer.

 

Nationalistische und katholische Gruppen veranstalteten aus Protest ca. 40 Gegenkundgebungen. Der Umgang mit den Schwulen und Lesben wird in dem tief katholischen Land kontrovers diskutiert. Jaroslaw Kaczynski, Partei-Chef der rechtsnationalistischen Regierungspartei PiS, hatte Homosexuelle im April 2019 noch als "Bedrohung" für sein Land bezeichnet.

 

Licht

 

 

Damit hatte wohl keiner gerechnet: Der Hass hat nicht das letzte Wort: Acht Tage nach den schweren Ausschreitungen zum ersten CSD in Bialystok hatten am Sonntag (28.07.2019) tausende Menschen in der Stadt unter dem Motto "Polen gegen Gewalt" ein friedliches, buntes und wichtiges Zeichen gesetzt. Zuvor hatte es in den letzten Tagen ähnliche Kundgebungen in rund 20 Städten gegeben, alleine in Warschau beteiligten sich am Samstag tausende Menschen bei einem Protest mit zahlreichen Regenbogenflaggen am Kulturpalast. 

Ostseebad Kolberg - Hafen
Ostseebad Kolberg - Hafen

In Bialystok hielten mehrere Vertreter von LGBTI-Organisationen sowie Politiker bei einer Kundgebung in der Innenstadt Reden ab – eine Demonstration war aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt worden. "Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich schwul bin, war sie am Boden zerstört", erzählte der offen schwule Politiker Robert Biedron. "Denn sie hatte all die Geschichten gehört, dass Homosexualität abnormal wäre. Heute ist meine Mutter unter uns. Sie hält eine Regenbogenflagge. Ein Wandel ist möglich."

 

Am Rande der Kundgebung hatten sich mehrere Personen zu einem Gegenprotest versammelt und Plakate wie "Stoppt Gewalt gegen die Kirche" gehalten. Sie versuchten, Teilnehmer der Anti-Gewalt-Kundgebung in Auseinandersetzungen zu verwickeln und diese als auswärtige Besucher darzustellen. Abseits von Provokationen und homophober Botschaften blieb es aktuellen Medienberichten zufolge friedlich.

 

Die Kirche und PiS-Politiker werden sich nicht änderten, aber das polnische Volk lernt dazu und das macht Hoffnung. In Bremen findet der diesjährige CSD am 31. August statt und wir freuen uns, dass zum dritten Mal auch eine Delegation des Danziger LSBTI dabei sein wird.

 

Und wir machen sicher wieder Urlaub in Polen . . .

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Juli 2019


CSD Nordwest 2019 – zum 25. Mal

Motto: „Vielfalt statt Einfalt“

 

Helmut und ich wollten uns dieses Mal die CSD-Demonstration in aller Ruhe ansehen. Ohne Stress und Parkplatzsuche sowie der Umwelt zu Liebe entschieden wir uns für die Bahn. Leider war das mal wieder ein großes „Abenteuer“ im Sinne von abenteuerlich. Zwei Stunden waren wir, bedingt durch Zugausfälle und Verspätung unterwegs. Bekommen die NWB und die DB gar nichts mehr hin? Wie gut, dass wir rechtzeitig das Haus verlassen hatten. Kurz bevor die Parade am Schlossplatz in Oldenburg beginnen sollte, hatten wir unser Ziel erreicht.

Wer hätte das gedacht, als der 1. CSD Nordwest im Juni 1995 veranstaltet wurde, dass beim 25jährigen Jubiläum ca. 12.000 queere Menschen teilnehmen würden? Früher war die queere Community jedoch nicht immer derart offen und unbekümmert zu ihrer Sexualität stehend durch die Stadt gezogen: Beim ersten Christopher Street Day (CSD) 1995 waren die Teilnehmer noch maskiert. Damals rümpften viele Menschen an den Straßen noch die Nase: "Viele sagten: Was soll das denn? Was wollen die denn? Können die wegbleiben?", sagt der Sprecher des CSD Nordwest, Kai Bölle. "Heute traut sich das keiner mehr zu sagen." Heute ist alles offener, wir haben in den Jahren viel erreicht – zumindest gesetzlich. In vielen Köpfen ist das leider immer noch nicht so richtig angekommen. Auf dem letzten Gruppenabend mussten wir in unser Runde verstellen, dass die CSD-Demos wichtiger denn je sind.

 

 

Bunt, laut, mit Fahnen, Bannern, viel Glitzer und dem ein oder anderen gewagten Outfit starteten die Teilnehmer der Demo-Parade vom Schlossplatz. 41 Gruppen, 18 Demowagen und 23 Laufgruppen liefen und fuhren begleitet von lauter Musik durch die Straßen von Oldenburg. Ca.8.000 Zuschauer sahen sich am Straßenrand das bunte Treiben an.

Nachdem die Demo am Schlossplatz gestartet war, ging es entlang dem Staugraben, über den Pferdemarkt, vorbei am Theaterwall und endete nach knapp zwei Stunden wieder am Schlossplatz.

 

Das anschließende Kulturfest im Anschluss bot ein bunt gemischtes Programm aus Reden verschiedener Vereine und Künstler_innen. Gleichzeitig verwandelten mehrere DJ´s hinter der Lambertikirche den Bereich um in eine Tanzfläche, die nach kürzester Zeit mit unzähligen tanzenden CSD-Teilnehmer_innen gefüllt war.

 

Wir freuen uns in diesem Jahr noch auf weitere CSD-Veranstaltungen in anderen Städten – und besonders den CSD am 30. August 2019 in Bremen.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Juni 2019


67. Schwules Vätertreffen

03.05. - 05.05.2019 im Waldschlösschen

 

Ich habe zum dritten Mal mit großer Begeisterung daran teilgenommen und dort viele Männer aus den vorherigen Seminaren wieder getroffen. Ich wurde von allen sehr herzlich empfangen und begrüßt, auch von denen, die ich vorher noch nicht kannte. Überhaupt ist es die große Herzlichkeit und Offenheit von jedem Einzelnen, das diese Seminare im Waldschlösschen so einzigartig macht.

 

Das Treffen wurde dieses Mal gemeinsam von den Schwule-Väter-Gruppen aus dem Saarland und Essen unter dem Motto „Grenzenlos bunt“ durchgeführt. Wie schon gewohnt gab es eine Vielzahl von sehr professionell und ebenso einfühlsam geleiteten Workshops. Bei der Vielzahl der interessanten und überzeugenden Angebote fiel es schwer, sich für einen Termin zu entscheiden. Schließlich entschied mich ich für das Thema „Ich bin schwul – und das ist gut so?“ und für eine Gesprächsrunde unter dem Überschrift „Wieder im Schloss . . . und die Welt dreht sich immer noch weiter“. Beide Seminare waren für mich – und ich denke auch für die anderen Männer in der Runde – außerordentlich emotional, so dass ich das Bedürfnis hatte mich anstelle eines dritten ernsthaften Themas in einem „Wohlfühlnachmittag“ bei verschiedenen geführten Meditationen und Körperwahrnehmungs-Übungen zu entspannen.

 

Am Freitagabend präsentierten „Mathias und Matthias“ mit Sebastian einfühlsame Lieder und Gedichte unter dem Motto „Willst Du mit mir gehen“, jeweils begleitet von Keybord und der Gitarre. Danach gab es noch einen sehr lustigen aber dennoch anspruchsvollen spanischen Film mit deutschen Untertiteln über das Thema „Spätes Coming Out“.

 

Am Samstag fand dann wieder die traditionelle große Party statt. Zum Thema passend hatten sich die meisten Männer sehr phantasievoll bunt verkleidet. Die den Abend ausrichtenden Väter hatten ein sehr lustiges, aber dennoch anspruchsvolles Programm dargeboten. Mehrere super aufgetakelte Drag-Queens durften natürlich auch nicht fehlen.

 

Vor dem großen Abschlussplenum am Sonntag, also vor allen ca. 90 Teilnehmern, hat mich Frank aus unserer Gruppe über meine sehr persönliche Lebensgeschichte sehr professionell interviewt. Mir war es eigentlich gar nicht so recht, so besonders heraus gestellt zu werden, denn meine Biographie gleicht doch den zum großen Teil leidvollen Erfahrungen auch aller anderen schwulen Väter, nur mit dem Unterschied, dass ich als ältester Teilnehmer eine Zeit erlebte, in der es faktisch den Begriff Homosexualität nicht gab, bzw. geben durfte. Ich glaube aber, dass ich einigen Männern Mut machen konnte, auch unter widrigen Umständen zu ihrer Sexualität zu stehen und sie zu leben. So lautete denn das Motto des Interviews auch ganz treffend „Günter, 83 – Und jetzt erst recht!“

 

Unsere Bremer Gruppe war mit Frank und Ingo, Claus und Carsten, Constantinos, Martin sowie Frank und mir gut besucht.

 

 

Günter

 

Erstellt im Mai 2019


Der CSD (Christopher Street Day) – heute nötiger denn je

In Osnabrück wurden die diesjährigen CSD-Demos am 27.04.2019 eröffnet. Das Motto zum ersten Christopher Street Day seit 14 Jahren in Osnabrück lautete: „Osnabrück ist bunt“. Am Ende waren es wohl ca.1.300 Teilnehmer, die in der Parade mit liefen. Der Umzug startete am Hauptbahnhof und ging dann durch die Fußgängerzone in Richtung Marktplatz.

Soweit erst mal die Fakten. Es folgen in vielen Städten noch weitere CSDs. Jede einzelne Demonstration zu den CSDs ist wichtig. Wichtig deshalb, weil wir nach wie vor Flagge zeigen müssen. Unsere Regenbogen-Flagge gegen Hass, Pöbeleien und Gewalt – Gewalt gegen alle Lesben, Schwulen, Transsexuellen.

Die Verfolgung von Homosexuellen herrscht auf der ganzen Welt. Das jüngste Beispiel: Burnei wendet das Scharia-Recht an, um Schwule zu steinigen. In weiteren zehn Ländern auf der Welt steht die Todesstrafe auf gleichgeschlechtliche Liebe. In vielen Ländern gibt es Gesetze, die homosexuelle Liebe unter Strafe stellen. Besonders in afrikanischen Ländern werden homosexuelle Menschen verfolgt, eingesperrt oder gar getötet.

In 70 Ländern gibt es Gesetze gegen Homosexualität. Auch die UN-Mitgliedsstaaten wie Jemen, Sudan, Iran, Irak, Nigeria, Somalia, und Saudi-Arabien sehen immer noch eine Todesstrafe für homosexuelle Handlungen vor.

 

In vielen südamerikanischen Ländern schützen die Verfassungen LGBT vor Diskriminierung. Doch auch hier gibt es wieder dramatische Ausnahmen: In Honduras und Venezuela gibt es weitreichende Verfolgungen von Homosexuellen und Menschen, die sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen. Aktivisten stoßen immer wieder an ihre Grenzen im Kampf für die Rechte von Homosexuellen. Etwa dann, wenn Länder wie China oder aus der arabischen Welt behaupten, bei uns gibt es keine Homosexuellen. Uganda und Nigeria haben ebenfalls ihre Gesetze verschärft. 

Unterdrückt werden die Menschen besonders im Norden von Afrika, im Nahen Osten, aber auch in Gegenden wie in der ehemaligen Sowjetunion. In Tschetschenien gibt es seit 2007 eine Verfolgung gegen Homosexuelle. Viele Menschen fliehen nach Moskau oder St. Petersburg und suchen dort Zuflucht.

 

Aber wir müssen gar nicht so weit schauen. Auch in Deutschland es gibt es eine besorgniserregende Entwicklung: Die Transfeindlichkeit und die Feindlichkeit gegen Homosexuelle sind auch bei uns wieder auf dem Vormarsch und haben zugenommen. Es ist wieder salonfähig gegen Lesben und Schwule zu hetzen.

 

So gesehen müssen wir uns zeigen. In jeder Stadt in der ein CSD organisiert wird sollten wir dabei sein. Wir müssen uns einsetzen für die Menschenrechte auf der ganzen Welt. Beginnen wir damit in Deutschland, um den Hass, der Pöbeleien und der Gewalt entgegen zu treten. Der CSD in Osnabrück war dieses Jahr der Erste. Es folgen noch viele in der der gesamten Republik. Der CSD in Bremen findet am 30.08.2019 statt – sei dabei . . .

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Mai 2019


Schwule und ihre Mitmenschen islamischen Glaubens

Ich kenne viele Menschen mit islamischem Glauben, Frauen wie Männer. Noch nie gab es Differenzen zwischen uns, obwohl sie wissen, dass ich schwul bin. Ganz im Gegenteil, die Frauen wie auch die Männer umarmen mich ganz selbstverständlich und herzlich. Wir achten und respektieren uns gegenseitig.

 

 

Und dann gibt es den internationalen Islam, vorwiegend in den arabischen Ländern. Wenn wir dort Urlaub machen wollen, dann werden wir geduldet, denn wir bringen Devisen ins Land. Das war es aber auch schon, denn am liebsten würde man uns nicht ins Land lassen. In den meisten muslimischen Ländern erwarten Lesben und Schwulen empfindliche Strafen, wenn sie ihre Homosexualität öffentlich zeigen.

Und nun ist in Brunei ein verschärftes Strafrecht in Kraft getreten, das unter anderem für gleichgeschlechtlichen Sex die Todesstrafe vorsieht, trotz internationaler Proteste. Die Regelung basiert auf der islamischen Scharia Die EU kritisierte die Strafen deutlich und warf Brunei die Verletzung internationaler Verträge zum Schutz von Menschenrechten vor.

 

Brunei steht wegen der neuen Gesetze in der Kritik. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet bezeichnete die Strafen als "grausam und unmenschlich", Deutschland, Frankreich und die USA riefen das Sultanat zur Achtung der Menschenrechte auf.

Einige internationale Prominente fordern den Boykott der neun Luxushotels im Besitz des Sultanats in Großbritannien, Frankreich, Italien und den USA.

Das Sultanat auf der Insel Borneo ist das erste Land in Ost- und Südostasien, das sich mit seinem Strafgesetzbuch am islamischen Recht der Scharia orientiert. Ähnlich halten es bisher bereits einige Nahost-Staaten und Saudi-Arabien. Das Auswärtige Amt riet Reisenden in Brunei angesichts der Strafrechtsverschärfungen zu besonderer Vorsicht. Besucher sollten sich mit den landesspezifischen Gesetzen vertraut zu machen.

 

In einigen Muslimischen Ländern in Afrika und Asien sind die Gesetze für gleichgeschlechtliche Liebe am strengsten. Im Sudan, Iran, Jemen und Saudi-Arabien droht bei sexuellen Handlungen unter Männern die Todesstrafe.

Auch wenn die Akzeptanz in Europa größtenteils vorhanden ist: Die "Ehe für Alle" ist längst nicht in allen Ländern erlaubt. In vielen osteuropäischen Ländern wie Polen, Ungarn oder der Ukraine ist die Ehe in der Verfassung nur als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert.

 

Man muss auch bedenken, dass Lesben und Schwule in Deutschland erst seit 2017 heiraten können – wie jedes heterosexuelle Paar auch. Davor hatten sie die Möglichkeit, eingetragene Lebenspartnerschaften zu schließen. Mit der "Ehe für Alle" sind homosexuelle Paar nun wirklich gleichgestellt, auch was etwa das Adoptionsrecht angeht.

Lange Zeit waren homosexuelle Handlungen unter Männern auch in Deutschland verboten. Der Paragraf 175 im deutsche Strafgesetzbuch, der das regelte, stammte noch aus dem Kaiserreich, wurde von den Nationalsozialisten und auch von der Bundesrepublik übernommen. Erst ab 1969 wurde der Paragraf gelockert – und erst 1994, nach der Wiedervereinigung, wurde er ganz und ersatzlos gestrichen.

 

Wie ich bereits am Anfang erwähnte: Ich mag meine islamischen Mitmenschen. Es wäre nur schön, wenn sie auch gegenüber den Ländern, die Homosexuelle verfolgen, ihre Stimme erheben würden.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im April 2019


Ausgrenzung – Schüler setzten sich damit auseinander

Sehr oft sind auch heutzutage auf dem Schulhof Worte wie „Schwuli“, „Schwuchtel“, „schwule Sau“ zu hören. Das macht jungen Schwulen, die noch ihr Coming-Out vor sich haben ängstlich und unsicher. Da hilft es auch nicht, dass man das mit Cliquen-Bildung oder Pubertät erklärt bzw. abtut.

Umso erfreulicher war es für uns, dass wir im Weser Kurier erfuhren, dass die Theater-AG der Gesamtschule West das Theaterstück „Warum hast du nichts gesagt?“ aufführen wollten, um ein Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen. 

 

Als wir am 20.03.2019 um 19:30 Uhr ankamen, war es noch ganz ruhig im Foyer des Bürgerhauses in Oslebshausen. Zwei Tickets zum erschwinglichen Preis von je drei Euro waren schnell gekauft. Langsam füllte sich das Foyer und bald konnten wir im Saal Platz nehmen.

 

Wir waren gespannt. Im Weser Kurier hatten wir gelesen, dass die Schüler aufgrund der Aktualität ein Statement gegen Rassismus und Homophobie liefern wollten.

 

Geschrieben hatte das Stück Manuela Richter, die als Lehrerin und Theaterpädagogin am evangelischen Gymnasium in Mylau in Sachsen tätig ist und überarbeitet wurde es von Carina Claus, Sozial- und Theaterpädagogin an der Gesamtschule West. Das Thema behandelt die Homosexuellen-Verfolgung im Dritten Reich und das Coming-Out des homosexuellen Jungen Max, der sich outet und mit den darauf folgenden Reaktionen fertig werden muss. Die heftige Reaktion seiner Mutter irritiert ihn dabei am meisten. Er sucht nach Antworten und zusammen mit seiner Schwester reist er weit in die Familiengeschichte zurück, wo er den Grund für das Verhalten der Mutter findet.

 

Es war für uns sehr erfreulich, dass die 14- bis 16-jährigen Schüler_innen sich mit diesem Thema auseinander gesetzt hatten – auch jene in Sachsen. Das macht Hoffnung. Es war auch sicher nicht leicht für zwei der Schüler Hand in Hand über die Bühnen zu gehen und auch ihre Zuneigung füreinander zeigen mussten.

 

Carina Claus erzählte anschließend, dass sich die Schüler_innen ein halbes Jahr mit dem Thema Homosexualität und Ausgrenzung auseinander gesetzt hatten. „Und wenn nur zwei Kinder die Schimpfwörter nicht mehr benutzen, haben wir viel erreicht“, sagte Frau Claus.

 

Ich denke, dass mehr als zwei Kinder von diesem Theaterstück gelernt haben: Die Akteur_innen selbst und sicher auch die Zuschauer_innen im Saal. Persönlich wünsche ich mir, dass wir mehr Erwachsene haben, die jungen Menschen in dieser Richtung den Weg fürs Leben zweigen.

 

 

Norbert

 

Erstellt im März 2019

 


Der verlorene Sohn –

Gefährliche Therapien zur „Heilung“ der Homosexualität

Gestern am späten Nachmittag war für uns Kinotag. Es wurde der US-Spielfilm „Der verlorene Sohn“ gezeigt, der nach wahren Begebenheiten gedreht wurde. Es ging um Reparativtherapie eines 18jährigen Schwulen in den USA. Der Film war sehr bewegend und machte zugleich betroffen und wütend. Wütend deshalb, weil im Namen Gottes seelische Folter als Therapie verkauft wird. Es ging soweit, dass sogar einer der Teilnehmer einen Suizid vollzogen hat. Im realen Leben ist der junge Mann heute glücklich in New York mit seinem Mann verheiratet.

Auch heutzutage werden in Deutschland noch Therapien durchgeführt, die homosexuelle Neigungen "heilen" sollen. Diese Behandlung kann für Homosexuelle schwerwiegende Folgen haben.

 

Schon 2013 wollte die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen Therapien mit Geldbußen ahnden, die die Änderung der sexuellen Orientierung von Minderjährigen zum Ziel hätten, aber ein entsprechendes Gesetz kam in Deutschland nie zustande. Der Bundesgesundheitsminister Jens Span will das nun ändern.

 

Konversions- oder Reparativtherapien haben zum Ziel, meist junge Menschen von ihrer vermeintlich fehlgeleiteten Sexualität zu "heilen". In der Schwulen- und Queerszene gehen Gerüchte um von eiskalten Duschen oder Elektroschocks, die mit Bildern oder Filmen von homosexuellen Praktiken verbunden werden. Ihr Ziel: entsprechende sexuelle Empfindungen mit Schmerz anstelle von Lust verknüpfen.

 

 

Als kürzlich der US-Kinofilm "Der verlorene Sohn" in Berlin vorgestellt wurde, meldete sich anschließend Bastian Melcher zu Wort. Er berichtete von seinen Qualen während einer sogenannten Konversionstherapie. Acht Jahre dauerte seine Behandlung zur Bekämpfung seiner Homosexualität, sagte er. Während dieser Zeit bekam er Ölsalbungen und Dämonenaustreibungen, zudem besuchte er auf Anraten seines Heilers regelmäßig Gottesdienste. Dazu berichtete die taz: Erst ein Besuch beim Christopher Street Day (CSD) beendete seine Angst davor, schwul zu sein. Dabei ist Homosexualität ist weder eine Entwicklungsstörung noch eine Erkrankung. 

Homosexuelle erkranken häufiger psychisch als die Allgemeinbevölkerung – das belegen internationale Studien. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit homo- oder bisexueller Orientierung besteht eine dreifach höhere Suizidrate. Homosexuelle brauchten keine besonderen Therapieangebote, sondern Therapeuten, die einen wertfreien und geschützten Raum bieten.

 

Trotz allem verzeichnete die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im zweiten Quartal 2016 115 Behandlungen dieser Art. Die Zahlen sind relativ konstant und liegen hochgerechnet schätzungsweise bei rund 500 Behandlungen im Jahr.

 

Der Kinofilm und die vermehrte Berichterstattung über diese Heilungs-Therapien haben das Thema in die Öffentlichkeit gerückt. Hoffen wir, dass Jens Span das Gesetz dagegen auf die Reihe bekommt und dass die Anwendung vom Berufsstand der Psychologen und Psychiater geahndet wird.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im März 2019

Norbert

 

 

Erstellt im März 2019


Der Bioschwule

Bei einem Treffen schwuler Väter, wo einige auch mit deren Partnern erschienen sind, stellte sich einer der Teilnehmer, er war vielleicht 60 Jahre alt, mit einem leicht verschmitzten Lächeln, doch erkennbar nicht ohne Stolz, als ‚Bioschwuler‘ unserer kleinen Gesprächsrunde vor.

 

Scheinbar ebenso unwissend wie ich und ein wenig verschämt darüber den Ausdruck noch nie gehört zu haben, fragte jemand in der versammelten Runde, was das denn sei: Bioschwul?

 

 

Naja, er sei ein Bio-Schwuler, eben ein Immer-Schon-Schwuler, wusste schon mit 14/15, dass er schwul ist und hatte bereits mit 16 seine erste schwule Beziehung.

Klar, das unterschied ihn von den anderen in der Runde, die ausnahmslos schwule Väter waren. Er hatte sich noch nie auf eine Frau eingelassen, war schon früh sich seiner Gefühle sicher gewesen, hatte nie eine Familie gegründet. So war er in der Tat in dieser Runde etwas Besonderes.

 


Bioschwul, ein seltsames aber irgendwie auch schönes Wort. Denn ganz ehrlich, ich bin wahnsinnig neidisch auf sie, die Bioschwulen. Wie gerne wäre ich ein Bioschwuler geworden! Wie sehr beneide ich sie um die schon in jungen Jahren gemachten schwulen Erfahrungen und werde ganz wehmütig wenn ich nur daran denke was bei mir alles hätte anders gewesen sein können . . .

 

Neidisch und zugleich auch etwas ärgerlich und verunsichert. Denn ganz offensichtlich grenzt der Begriff sich von mir als Spät-Geouteten ab und berührt mich in der Frage meines Selbstverständnisses, stößt mich auf die Fragen, die ich mir immer ja selber immer wieder stelle: Wieso bin ich kein Bioschwuler geworden? Wieso gehöre ich nicht zu den Früh-Geouteten? Was ist falsch gelaufen in meinem Leben? Wer oder was trägt eine Mitschuld daran? Muss ich mich nicht für mein spätes Schwul-Sein erklären? Doch hat bisher nie je ein Schwuler mich danach gefragt, geschweige denn mein Schwul-Sein in Frage gestellt. Warum auch?

 

Ich selber stelle mir diese Fragen seit meinem Outing vor zwei Jahren und habe lange und oft darüber nachgedacht, rekapituliert und viele Gründe dafür gefunden, warum etwas in dieser und jener Zeit so und nicht anders verlief, habe ein paar Punkte im Leben ausgemacht an denen durch eigene Entscheidungen es anders hätte verlaufen können, habe Entwicklungslinien nachgezeichnet und vieles gefunden das als Erklärung für meine Handlungen herhalten könnte. Aber all das wirkt auf mich eher wie ein Puzzlespiel das lose und zerstreut über den Boden liegt und dessen Teile nicht wirklich zusammenpassen.

 

Heute ist mir klar: es ist keine solche Entwicklung gewesen. Es gab keine Folge von kleinen Ereignissen die unabdingbar letztlich zu meinen Outing haben führen müssen.

Vielmehr war es ein Bruch, oder besser: Es war ein Ausbruch, ein bedingungsloser Ausbruch von tief in mir liegenden Gefühlen die an die Oberfläche drängten. Genau so hat es sich angefühlt, genau so habe ich es erlebt und so ist es folgerichtig auch ein Bruch in meiner Biografie. Der lässt sich nicht glätten, lässt sich nicht beschönigen. Ich bin heute tatsächlich jemand anderes: Ich bin heute mehr 'Ich' als ich es je war. Die Person die ich einmal war, - ich würde heute sagen, die ich einmal dargestellt habe – ist mir fremd, es gibt sie nicht mehr. Und ich bin sehr froh, dass es diesen Bruch gibt. Denn jetzt gibt es mich, den späten Bioschwulen!


P.S.: über die englische Entsprechung des Begriffs heißt es übrigens im urban dictionary:
biogay is someone who is genetically modified to be bisexual

 

 

Frank

 

 

Erstellt im Januar 2019


Einfluss auf den Schutz von LGBTQs im Internet

Folgende Mail habe ich von Emma vom vpnMentor bekommen:

 

Hallo,

ich habe gesehen, dass Sie lsvd.de / hier
www.ans-andere-ufer.de/links/ erwähnt haben, und ich wollte Ihnen meine Dankbarkeit für Ihre Arbeit an LGBTQ-bezogenen Themen ausdrücken.


Es wäre nett, wenn Sie vielleicht auch einen kleinen Leitfaden zum Thema Sicherheit von LGBTQs im Internet veröffentlichen könnten, der kürzlich herausgegeben wurde. Wussten Sie, dass 73% der LGBTQs aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität im Internet angefeindet und schikaniert werden? Der angesprochene Leitfaden soll den Betroffenen dabei helfen, sich gegen diese Anfeindungen zu wehren und sich vor diesen zu schützen.

 

Hier dazu der Link: 

https://de.vpnmentor.com/blog/die-meiste-lgbtqs-sind-opfer-von-cybermobbing-so-bleibst-du-online-sicher/

 

Es werden konkrete Tipps und praktische Anweisungen für alle nur erdenklichen Situationen gegeben.

 

Vielen Dank für Ihren aktiven Beitrag zum Schutz von LGBTQs im Internet

 

Emma

 

 

Der Artikel von vpnMentor gibt viele Informationen über das Verhalten im Internet und wie man sich gegen Cyber-Mobbing wehren kann. Vor allen Dingen kann man sich Vorbeugend schützen. Einfach mal durchlesen.

 

 

Norbert

 

 

Erstellt im Januar 2019